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Flüchtlinge
Migranten harren weiter auf Schiff aus

Gestrandet im Hafen Catanias: Ein Rettungsboot hatte diese Flüchtlinge vor einer Woche im Meer aufgenommen, an Land dürfen sie aber nicht.
Gestrandet im Hafen Catanias: Ein Rettungsboot hatte diese Flüchtlinge vor einer Woche im Meer aufgenommen, an Land dürfen sie aber nicht. FOTO: dpa / Orietta Scardino
Catania/ceuta. Italiens Regierung lässt sie nicht an Land, bevor eine europäische Lösung steht.

Den zweiten Tag in Folge harren 177 gerettete Bootsflüchtlinge auf einem Schiff im Hafen von Catania auf Sizilien aus. Seitens des Innenministeriums gebe es keine Neuigkeiten im Fall des Küstenwache-Schiffs „Diciotti“, erklärte gestern ein Sprecher.

Italien hatte Brüssel am Sonntag aufgefordert, EU-Länder zu finden, die bereit sind, Migranten zu übernehmen. Erst dann will Innenminister Matteo Salvini die Menschen an Land gehen lassen. Laut Nachrichtenagentur Ansa waren an der Anlegestelle gestern lediglich Polizei und Küstenwache präsent, nicht aber freiwillige Helfer oder der Zivilschutz. Eine Sprecherin der EU-Kommission wiederholte gestern in Brüssel die Aussagen der Vortage: Man sei noch immer im Gespräch mit den EU-Staaten und rufe jeden dazu auf, sich an einer schnellen Lösung zu beteiligen. „Vorrangig sollte natürlich für alle sein, sicherzustellen, dass diese Menschen die Versorgung erhalten, die sie brauchen.“

Die Menschen waren vergangenen Donnerstag von einem Boot in der Such- und Rettungszone Maltas aufgenommen und auf das Schiff der italienischen Küstenwache gebracht worden. Nachdem Malta der „Diciotti“ das Anlegen verweigerte, durfte das Schiff am Montagabend in den Hafen von Catania fahren.



Unterdessen sind bei einem neuen Massenansturm afrikanischer Migranten mindestens 115 Menschen von Marokko aus in die spanische Nordafrika-Exklave Ceuta gelangt. Gestern Morgen sei es ihnen gelungen, gewaltsam den sechs Meter hohen doppelten Grenzzaun zu überwinden, sagte ein Sprecher der Regierungsvertretung in Ceuta. Sieben Polizisten seien bei dem Versuch verletzt worden, die Migranten abzuwehren. Jedoch sei nur einer von ihnen so schwer verletzt, dass er im Krankenhaus behandelt werden musste.

Der Sturm auf die Exklave wurde dabei dadurch begünstigt, dass die marokkanischen Sicherheitskräfte in der Region aufgrund der Feiern zum muslimischen Opferfest ausgedünnt waren.