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Zeitenwende in der Union
Kramp-Karrenbauer und Söder brauchen einander

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Markus Söder ist bisher nicht als friedliebender Teamplayer bekannt gewesen. Eher hat er in der Vergangenheit keine „Schmutzeleien“ ausgelassen, wie Horst Seehofer sagen würde, um seine politischen und persönlichen Ziele zu erreichen. Von Hagen Strauss

Für die Unionsschwestern ist eine Zeitenwende vollzogen, zwei frische Vorsitzende führen nun CDU und CSU und zwei alte sitzen in Berlin am Kabinettstisch: Kanzlerin Angela Merkel und Innenminister Horst Seehofer.

Wie die Macht jetzt austariert wird, wird mit Blick auf die Zukunft der Unionsparteien spannend werden. Die neuen Vorsitzenden müssen sich schließlich profilieren, und das auch auf Kosten der Regierung. Doch sie dürfen den Bogen nicht überspannen, um sich nicht selbst zu schaden. Ein politischer Spagat. Kramp-Karrenbauer hat bereits gezeigt, dass sie die Regierung antreiben kann, ohne sie zu sehr zu beißen.

Söder hat zumindest begriffen, dass das desaströse Jahr 2018 für die CSU auch auf seinen Deckel geht – so ungewohnt demütig gab er sich auf dem Parteitag in München. Ob das bei ihm so bleiben wird, wird sich wohl erst nach der Europawahl im Mai zeigen. Nun ist Söder das, was er immer werden wollte: Ministerpräsident des Freistaates und zugleich Parteichef.



Er muss die frustrierte CSU wieder aufrichten, moderner machen, Laptop und Lederhose neu in Einklang bringen. Am Ende aber soll die CSU vor allem erfolgreicher sein, möglichst viele Wähler wieder an sich binden. Was anderes zählt nicht in der Politik. Gelingt Söder das nicht, könnte ihn schneller als gedacht das Schicksal seines Vorgängers Horst Seehofer ereilen.

Die Christsozialen sind nicht gerade zimperlich im Umgang mit schwächelndem Personal, auch eine gute Leistungsbilanz vergangener Jahre schützt nicht davor, zum Watschenmann zu werden. So wie Seehofer es geworden ist. Doch im Alleingang wird Söder die CSU nicht zu alter Stärke zurückführen können. Er braucht dafür die Hilfe. Und zwar von der neuen CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer. Beide stehen sich politisch deutlich näher als Merkel und Seehofer. Das ist ein nützlicher Vorteil. Denn „AKK“ muss Söders Unterstützung gewinnen auf ihrem Weg ins Kanzleramt. Bekommt sie die nicht, wird ihr die Kanzlerschaft verwehrt bleiben.

Für Söder gilt: Wer in Bayern erfolgreich sein will, grenzt sich zwar gerne vom Bund ab. Das ist das alte politische Spiel, das auch er in der Vergangenheit betrieben hat. Aber Söder braucht Kramp-Karrenbauer, weil er nur mit ihr den tiefen Riss wieder kitten kann, der durch den Dauerkonflikt zwischen Merkel und Seehofer um die Migrationspolitik zwischen den Schwestern entstanden ist. Beiden Parteien hat der Streit extrem geschadet, der CSU mehr als der CDU. Denn sie verlor bei der Landtagswahl die absolute Mehrheit. Streit vergrätzt die Wähler. Will Söder also als Parteivorsitzender erfolgreich sein, ist er auf eine neue Harmonie dringend angewiesen. Allerdings: Kramp-Karrenbauer ebenso.