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Kampf gegen rechts
Mehr Personal für Bekämpfung von Rechtsextremismus

Berlin. Horst Seehofer (CSU) stellte am Dienstag in Berlin die Pläne zur Umstrukturierung der Behörden vor. Dabei betonte er, die zusätzlichen Aktivitäten würden nicht zu Lasten anderer Aufgaben gehen.

Mit mehr Personal und Zentralstellen beim Bundeskriminalamt (BKA) und beim Verfassungsschutz soll die Bekämpfung des Rechtsextremismus in Deutschland intensiviert werden. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) stellte am Dienstag in Berlin die Pläne zur Umstrukturierung der Behörden vor. Dabei betonte er, die zusätzlichen Aktivitäten würden nicht zu Lasten anderer Aufgaben gehen. Außerdem werde „mit Hochdruck“ an einem möglichen Verbot weiterer Organisationen aus dem rechten Spektrum gearbeitet, erklärte Seehofer, der von einer „hässlichen Blutspur beginnend von NSU bis Halle“ sprach.

Die Gefahr durch den Rechtsextremismus müsse sehr ernst genommen werden, sagte der Minister und räumte zugleich ein, dass dies schon früher hätte geschehen müssen. Es gebe in Deutschland rund 12 000 gewaltbereite Rechtsextremisten. Jede zweite politisch motivierte Körperverletzung sei der rechtsextremen Szene zuzurechnen.

Zur Ermittlung möglicher rechtsextremer Tendenzen in den Bundesbehörden selbst soll ein neues Referat beim Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) eingerichtet werden. Bisher handele es sich bei solchen Fällen um Einzelfälle, sagte Seehofer und verwies auf Zahlen von der Bundespolizei für die Jahre 2012 bis 2019. Danach gab es in dieser Zeit 57 Fälle, die disziplinarrechtlich verfolgt worden seien, was 0,1 Prozent der gesamten Belegschaft ausmache. Jeder einzelne Fall sei aber einer zu viel, betonte der CSU-Politiker.



Nach dem Terror-Angriff auf die Synagoge in Halle vom 9. Oktober hatten die Innenminister von Bund und Ländern einen Zwölf-Punkte-Plan zur verstärkten Bekämpfung des Rechtsextremismus und Rechtsterrorismus beschlossen. Die meisten Punkte seien inzwischen umgesetzt oder befänden sich in der Umsetzung, sagte Seehofer.

Im Rahmen der Maßnahmen werden BKA und BfV je um weitere 300 Stellen zur Bekämpfung des Rechtsextremismus aufgestockt. Auch die Hasskriminalität im Netz soll stärker bekämpft und das Waffenrecht verschärft werden. Der Bundestag hatte die Finanzierung der 600 zusätzlichen Stellen bereits genehmigt.

Verfassungsschutz-Chef Thomas Haldenwang sagte, bisher habe man sich vor allem auf rechte Gewalttäter konzentriert. Zu den zentralen Themen für die Zukunft gehöre, die Netzwerke der rechten Szene zu ermitteln und dafür eng mit den Verfassungsschützern der Länder zusammenzuarbeiten. Der Präsident des Bundeskriminalamts, Holger Münch, erläuterte, sein Amt habe mit dem Aufbau neuer Abteilungen zur Verfolgung der Hasskriminalität im Internet begonnen. Künftig sollen Plattformen schwere Straftaten dem Bundeskriminalamt melden. Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) plant dazu eine Verschärfung des Netzwerkdurchsetzungsgesetzes.