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Therapie gestoppt
McCain bricht Krebsbehandlung ab

US-Senator 
John McCain.
US-Senator John McCain. FOTO: AP / Isaac Brekken
Washington. Nach mehr als 30 Jahren im Senat ist John McCain für viele Amerikaner eine politische Institution. Jetzt zeigt der frühere Soldat noch einmal seine Willenskraft.

Der schwerkranke US-Senator John McCain will sich nicht weiter gegen seinen Hirntumor behandeln lassen. McCain habe sich mit seiner gewohnten Willensstärke entschieden, die Krebstherapie zu stoppen, erklärte seine Familie am Freitag. „Der Fortschritt der Krankheit und die Unerbittlichkeit des Alterns fällen ihr Urteil.“ Nach der Diagnose eines aggressiven Tumors im vergangenen Sommer habe der Senator, der am kommenden Mittwoch 82 Jahre alt wird, die Überlebenserwartungen bereits übertroffen.

McCain ist einer der prominentesten Kritiker von Präsident Donald Trump innerhalb der Republikanischen Partei. Im vergangen Jahr hatte er zusammen mit anderen Republikanern gegen dessen Plan gestimmt, das Krankenversicherungssystem von Trumps Amtsvorgänger Barack Obama abzuschaffen, und ein entsprechendes Gesetz damit zu Fall gebracht.

Schon damals war bekannt, dass McCain an einem Glioblastom erkrankt ist, einer Krebsart, an der auch schon der demokratische Senator Robert Kennedy 2009 gestorben war. McCain sagte damals, er habe manchmal „Angst davor, was passiert“. Doch auch Kennedy habe trotz seiner Krebsdiagnose weitergearbeitet und niemals aufgegeben. Er selbst trete dem, was komme, mit Dankbarkeit dafür entgegen, „ein großartiges Leben“ gehabt zu haben, sagte McCain damals.



Führende Republikaner reagierten erschüttert. Er sei sehr bedrückt wegen der Nachrichten über McCain, sagte der Mehrheitsführer der Republikaner im Senat, Mitch McConnell. Er schätze sich glücklich, McCain seinen Freund nennen zu dürfen und bete für ihn und dessen Familie. Arizonas Gouverneur Doug Ducey nannte McCain einen amerikanischen Helden, der immer sein Land an die erste Stelle gesetzt habe. Die Familie McCain dankte für Unterstützung und Gebete Tausender Menschen.

McCain stammt aus einer Offiziersfamilie und geriet im Vietnamkrieg in Gefangenschaft. Da er damals gefoltert wurde, hat er sich immer wieder gegen Folter ausgesprochen. Seit 1986 vertritt er Arizona im Senat und hat sich als Politiker einen Namen gemacht, der eher seinen Überzeugungen als der Parteilinie folgt. Zwei mal bewarb er sich um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner. 2008 gewann er die Vorwahlen, unterlag bei der Präsidentenwahl selbst aber gegen Obama.

Trump, der um einen Vietnameinsatz herumgekommen war, profilierte sich im Wahlkampf 2016 mit der Bemerkung, für ihn sei McCain kein Held, weil dieser sich habe gefangen nehmen lassen. Als der Präsident vergangene Woche ein nach McCain benanntes Militärausgabengesetz unterschrieb, erwähnte er den Namen des Senators nicht einmal.

(dpa)