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Weiterer Schock für die Genossen
Schwesig legt SPD-Vorsitz nach Krebsdiagnose nieder

 Hand in Hand: die Sozialdemokratinnen Manuela Schwesig (l) und Malu Dreyer bei einer gemeinsamen Pressekonferenz vor wenigen Wochen.
Hand in Hand: die Sozialdemokratinnen Manuela Schwesig (l) und Malu Dreyer bei einer gemeinsamen Pressekonferenz vor wenigen Wochen. FOTO: dpa / Michael Kappeler
Berlin. Von Werner Kolhoff

Wieder ein Schockmoment für die SPD: Manuela Schwesig, eine von drei kommissarischen Vorsitzenden, legte am Dienstag ihr Parteiamt nieder, weil sie an Brustkrebs erkrankt ist und sich einer intensiven Behandlung unterziehen muss. Ministerpräsidentin in Mecklenburg-Vorpommern will die 45-Jährige zunächst bleiben. „Ich habe schon einige Kämpfe in meinem Leben geführt und werde auch diesen führen. Ich bin überzeugt, wieder gesund zu werden“, erklärte Schwesig am Mittag in Schwerin.

Die Politikerin ging offen mit ihrer Krankheit um, bat aber für die Zukunft um Respekt für ihre Privatsphäre. Zunächst informierte sie am Morgen das Landeskabinett, dann am Vormittag per Rundmail alle SPD-Mitglieder. Darin schrieb sie, dass die Diagnose sie schwer getroffen habe. „Die gute Nachricht aber ist: Dieser Krebs ist heilbar.“ Sie sei zuversichtlich, wieder gesund zu werden. Jedoch werde die Behandlung Kraft und Zeit kosten, so dass sie keine zusätzlichen Aufgaben übernehmen könne.

Schwesig hatte den SPD-Vorsitz zusammen mit Malu Dreyer und Thorsten Schäfer-Gümbel erst Anfang Juni nach dem Rücktritt von Andrea Nahles kommissarisch übernommen. Damals erklärte sie zur allgemeinen Überraschung, dass sie den Job nicht dauerhaft anstrebe; sie wolle sich auf ihre Wiederwahl in Mecklenburg-Vorpommern konzentrieren.



Offen blieb gestern, ob sie da schon von der Diagnose wusste. Denn Schwesig waren immer Ambitionen auf das höchste Parteiamt nachgesagt worden, die sie nie dementiert hatte. 2009 hatte der damalige SPD-Spitzenkandidat Frank-Walter Steinmeier Schwesig in sein Kompetenzteam geholt.

Nach dem Sprung von der Landes- auf die Bundesebene wurde sie sogleich stellvertretende SPD-Vorsitzende und 2013 dann Familienministerin. Das Ministerpräsidentenamt in Schwerin hatte sie erst im Sommer 2017 übernommen, weil ihr Vorgänger, Erwin Sellering, ebenfalls an Krebs erkrankt war. Sellering ist inzwischen offenbar weitgehend genesen und arbeitet wieder als Landtagsabgeordneter.

Die SPD wird ab 1. Oktober nur noch von der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer (58) kommissarisch geführt, da Schäfer-Gümbel mit seinem Dienstantritt als Arbeitsdirektor bei der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit dann ebenfalls zurücktreten will. „Weil das Leben manchmal so ist“, sagte Dreyer dazu bei einer eilends einberufenen Pressekonferenz in Mainz. Sie verwies darauf, dass es nur eine Übergangszeit sei. Denn derzeit läuft bereits das Verfahren zur Bestimmung eines neuen Vorsitzenden-Duos; im Oktober sollen die Parteimitglieder über die sieben Bewerberpaare und einen Einzelbewerber abstimmen. Im Dezember soll ein Parteitag dann die endgültige Entscheidung treffen.

Schwesig erreichten viele Genesungswünsche über alle Parteigrenzen hinweg. Auch die AfD-Fraktion im Schweriner Landtag veröffentlichte auf Twitter sofort eine Botschaft. Karl Lauterbach, einer der Kandidaten für den SPD-Vorsitz und selbst Arzt, schrieb: „Manuela ist eine starke und bewundernswerte Frau und wird diese Krankheit besiegen, wie zum Glück die meisten betroffenen Frauen.“

Von meist anonymen Nutzern gab es in den „Sozialen Medien“ allerdings auch gehässige und schadenfrohe Kommentare. Unter anderem, weil Schwesig im Frühjahr Schirmherrin eines Homöopathie-Kongresses in Stralsund gewesen war.