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Kommentar Macron/Trump
Macrons Lächel-Offensive

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Emmanuel Macron hat so ziemlich alles ertragen, was ein Staatsbesucher im Revier Donald Trumps zu ertragen hat. Der Lieblingseuropäer des US-Präsidenten tat alles, um die Eitelkeit seines Gastgebers zu streicheln. Von Frank Herrmann

So viel Händeschütteln, so viel Schulterklopfen, so viele Männerküsse hat man lange nicht erlebt im Weißen Haus. Mag sein, dass das Ergebnis dem Franzosen Recht geben wird. Vielleicht gelingt es ihm tatsächlich, Trump den Ausstieg aus dem Atomabkommen mit Teheran auszureden. Vielleicht hat Macron den richtigen Ansatz gefunden, wenn er eine Art dritten Weg anbietet, die Trumps Kritik aufgreift, ohne das Ursprungspapier anzutasten. Allerdings geht Macron mit seiner Offensive des Lächelns auch ein hohes Risiko ein. Wie einst Tony Blair versucht er, enge Bande zu knüpfen zu einem Amerikaner, mit dem ihn politisch nur wenig verbindet. Indem der Internationalist Macron den Nationalisten Trump umgarnt, will er eine stabile Beziehung zu einem Mann aufbauen, in dessen Vokabular das Wort Stabilität quasi nicht vorkommt. Bei ihm ist jede politische Beziehung ein Geschäft und damit neu verhandelbar, wenn es die eigenen Interessen gebieten. Macron könnte am Ende mit leeren Händen dastehen – und sich nur blamiert haben.