| 22:12 Uhr

Cattenom bleibt am Netz
Macron macht das Pannen-Akw Fessenheim 2020 dicht

Greenpeace zählte 2017 allein im Akw Fessenheim 22 Störfälle.
Greenpeace zählte 2017 allein im Akw Fessenheim 22 Störfälle. FOTO: dpa / Patrick Seeger
Paris. dpa

„Fessenheim wird im Sommer 2020 endgültig abgeschaltet.“ Die Ankündigung, die der französische Präsident Emmanuel Macron gestern machte, hört sich konkret an. Doch das Aus des ältesten französischen Atomkraftwerkes an der Grenze zu Deutschland wurde schon mehrfach verschoben.

Macrons Vorgänger François Hollande hatte schon im Wahlkampf 2012 angekündigt, den 1977 in Betrieb genommenen Meiler spätestens 2016 vom Netz zu nehmen. Seine Umweltministerin Ségolène Royal dehnte den Zeitpunkt dann bis 2018 aus und fand dafür auch ein Argument: Das Energiewendegesetz aus dem Jahr 2015 deckelt die Atomkraft auf 63 Gigawatt. Royal interpretierte die Zahl als feste Zielmarke, die die Abschaltung eines Atomkraftwerkes nur erlaubt, wenn ein anderes anläuft. Das Schicksal von Fessenheim, das nur rund 20 Kilometer von Freiburg entfernt ist, knüpfte sie deshalb an das des pannenanfälligen Druckwasserreaktors EPR in Flamanville am Ärmelkanal. Dort verzögert sich aber die Fertigstellung, die eigentlich für 2012 angekündigt war, immer weiter. Die Anlage soll nun frühestens Ende 2019 in Betrieb genommen werden.

Der jetzige Umweltminister Francois de Rugy stellte deshalb klar, dass Fessenheim auch ohne die Inbetriebnahme von Flamanville vom Netz gehen wird. Als Datum nannte er vor einigen Wochen spätestens das Jahr 2022. Macron zog die Schließung nun vor, doch ob er den neuen Termin halten kann, wird sich noch zeigen. „Ob tatsächlich beide Reaktoren des ältesten französischen Atomkraftwerks Fessenheim 2020 geschlossen werden sollen, bleibt abzuwarten“, erklärte die Grünen-Atomexpertin Sylvia Kotting-Uhl. 22 kleinere Störfälle zählte Greenpeace 2017 in Fessenheim, das am Oberrheingraben in einem erdbebengefährdeten Gebiet liegt. Sowohl die Bundesregierung als auch das Land Baden-Württemberg hatten deshalb mehrfach die Abschaltung gefordert. Für die Zeit danach planen Deutschland und Frankreich in Fessenheim, wo derzeit 2000 Menschen beschäftigt sind, einen gemeinsamen Industriepark.



Neben dem Atomkraftwerk im Elsass sollen zwischen 2025 und 2035 zwölf weitere Reaktoren abgeschaltet werden, kündigte der Präsident an. Damit bleibt das zweite grenznahe Atomkraftwerk Cattenom, das ähnlich pannenanfällig ist wie Fessenheim, jedoch erst einmal am Netz. Das kam im Saarland nicht gut an. Saar-Umweltminister Reinhold Jost (SPD) begrüßte gestern zwar die von Präsident Macron, eingeleitete Energiewende, forderte von ihm aber auch das Aus für das Akw Cattenom. „Das muss als nächstes abgeschaltet werden“, sagte Jost in der Landespressekonferenz. In den vergangenen Jahren habe es in diesem Atomkraftwerk insgesamt 850 gemeldete Störfälle und Auffälligkeiten gegeben. Es liefen immer wieder Gespräche, auch zwischen Berlin und Paris auf höchster Ebene. Zudem werde es jetzt einen erneuten gemeinsamen Vorstoß des Saarlandes, von Rheinland-Pfalz und dem Luxemburger Umweltministerium geben mit dem Ziel, Cattenom endlich abzuschalten.

Doch Macron setzt offensichtlich weiter auf die Atomkraft in Frankreich, das mit 58 weltweit die zweitmeisten Reaktoren nach den USA hat. „Die Atomkraft bleibt eine vielversprechende Spur“, versicherte der frühere Wirtschaftsminister.