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Claus-Peter Reisch fordert Konsequenzen
„Lifeline“-Kapitän erhebt Vorwürfe gegen die EU

Claus-Peter Reisch, der angeklagte deutsche Kapitän des Rettungsschiffes „Lifeline“.
Claus-Peter Reisch, der angeklagte deutsche Kapitän des Rettungsschiffes „Lifeline“. FOTO: dpa / Roger Azzopardi
München. Der in Malta angeklagte deutsche Kapitän der Seenotretter von „Mission Lifeline“, Claus-Peter Reisch, hat die EU kritisiert und den Rücktritt von Innenminister Horst Seehofer (CSU) gefordert.

Dieser wolle „Menschen auf dem Mittelmeer ertrinken lassen und Rettungskräfte vor Gericht stellen, er ist ein Täter, er gehört vor Gericht, er muss zurücktreten“, erklärte er gestern nach Angaben des Vereins der Seenotretter. Das Gericht in Malta hatte dem Kapitän aus dem bayerischen Landsberg vom 16. bis 29. Juli aus familiären Gründen eine Ausreise gewährt. „Es ist beschämend, dass die EU mehr dafür tut, Seenotrettung zu verhindern, als gegen das Sterben im Mittelmeer“, erklärte Reisch: „Hätten wir die Leute einfach ertrinken lassen, würde ich jetzt wohl nicht vor Gericht stehen, das ist schäbig und eine Gefahr für die Demokratie.“ Mindestens 277 Menschen seien im Mittelmeer ertrunken, seit die Rettungsschiffe auf Malta festgesetzt sind. Die „Lifeline“ hatte Ende Juni nach mehreren Tagen auf dem Mittelmeer mit 234 Flüchtlingen an Bord die Erlaubnis zum Einlaufen in den Hafen von Malta erhalten. Italien und Malta hatten ihre Häfen zuvor für Rettungsschiffe geschlossen.

Unterdessen ist für die fast 450 im südlichen Mittelmeer geretteten Flüchtlinge eine Lösung gefunden: Nach Zusagen von fünf EU-Ländern, die Menschen aufzunehmen, durften sie inzwischen auf Sizilien an Land gehen, wie der italienische Rundfunk RAI berichtete.