| 23:45 Uhr

Empörung über Internet-Giganten
Kritik an zensierter Google-Suche in China

Google ist in China gesperrt (hier ein Messe-Bild). Mit einer Zensur-Version soll sich das ändern.
Google ist in China gesperrt (hier ein Messe-Bild). Mit einer Zensur-Version soll sich das ändern. FOTO: dpa / Mark Schiefelbein
Mountain View/Peking. Marktanteile statt Menschenrechte? Berichte über Planungen des US-Konzerns empören Aktivisten. dpa

Der US-Internetkonzern Google plant Medienberichten zufolge eine zensierte Version seiner Suchmaschine, um wieder auf den weltgrößten Internetmarkt in China zu kommen. Aktivisten und Menschenrechtler reagierten gestern empört und sprachen von einem „schwarzen Tag für die Internetfreiheit“. Nach den Enthüllungen im US-Portal „The Intercept“ bestätigten nicht näher genannte Quellen auch der „New York Times“ die Pläne.

Die zensierte Suchmaschine mit dem Namen „Dragonfly“ (Libelle) würde in China gesperrte Webseiten und Suchanfragen nach Menschenrechten, Demokratie, Religion oder friedlichen Protesten aussortieren, wie die beiden US-Medien berichteten. Damit entspreche die Suche den strikten Zensurvorschriften der kommunistischen Führung in Peking. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International sprach von einem „schweren Angriff auf die Informationsfreiheit“.

Google ist in China gesperrt, weil es sich der Zensur zumindest bisher nicht beugen wollte. Der Konzern sucht aber nach einem Zugang zu den 730 Millionen chinesischen Internetnutzern. Google wollte die Berichte nicht bestätigen: „Zu Spekulationen äußern wir uns nicht“, sagte ein Sprecher.



Das Projekt „Dragonfly“ begann Google nach den Medienberichten im Frühjahr 2017 und beschleunigte es seit einem Treffen zwischen Konzernchef Sundar Pichai und einem hohen chinesischen Funktionär im Dezember, schreibt „The Intercept“ unter Berufung auf unternehmensinterne Dokumente und Insider. Die Suchmaschine für das mobile Betriebssystem Android sei bereits chinesischen Regierungsstellen vorgeführt worden. Innerhalb der nächsten sechs bis neun Monate könnte Google die App für chinesische Nutzer herausbringen, sobald Peking die Genehmigung erteile, hieß es weiter. Allerdings soll es auch bei Google internen Widerstand geben.

Die Berichte lösten heftige Proteste aus. So sah Amnesty-Forscher Patrick Poon „einen Sieg für die chinesische Regierung“. „Es sendet ein Signal, dass sich niemand mehr die Mühe macht, die Zensur herauszufordern.“ Und mit Blick auf den Datenschutz: „Wird Google auch einknicken und persönliche Daten herausrücken, sollten die chinesischen Behörden das verlangen?“

Kritisch äußerte sich auch Maya Wang von Human Rights Watch. „Es ist alarmierend, dass Google anscheinend eine zensierte Version seiner Suchmaschine mitten in der harschen Unterdrückung von Menschenrechten in China entwickelt – in Konsultationen mit hohen Regierungsbeamten.“