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Ärzte warnen
Kriminalbeamte fordern Aus für Cannabis-Verbot

Der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, André Schulz.
Der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, André Schulz. FOTO: Martin Schutt / dpa
Berlin. Der Bund Deutscher Kriminalbeamter macht sich für die Freigabe von Cannabis stark, um Haschisch-Konsumenten zu entkriminalisieren. Ärzte warnen allerdings: Kiffen sei kein harmloses Freizeitvergnügen.

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) fordert ein Ende des Cannabis-Verbots in Deutschland. Das Verbot sei „historisch betrachtet willkürlich erfolgt und bis heute weder intelligent noch zielführend“, sagte BDK-Chef André Schulz der „Bild“-Zeitung. Es habe in der Menschheitsgeschichte noch nie eine Gesellschaft ohne Drogenkonsum gegeben, das müsse man akzeptieren, betonte der BDK-Chef. Die Bundesärztekammer hingegen warnte vor einer Legaliserung von Cannabis. Auch das Bundesgesundheitsministerium ist dagegen.

Schulz erklärte, der BDK setze sich für eine komplette Entkriminalisierung von Cannabis-Konsumenten ein. Das derzeitige Rechtssystem stigmatisiere Menschen und lasse kriminelle Karrieren erst entstehen. In der Drogenpolitik gebe es bessere Möglichkeiten als Repression.

„Dazu gehört zu lernen, mit einem verantwortungsvollen Drogenkonsum umzugehen, Konsumenten und Suchtkranken unter Fürsorgeaspekten zu helfen und einen tatsächlich wirksamen Kinder- und Jugendschutz möglich zu machen“, sagte der BDK-Chef. Für Autofahrer müsse das Kiffen aber tabu bleiben, stellte Schulz klar.



Die Bundesärztekammer sprach sich gegen den Vorstoß der Kriminalbeamten aus. „Kiffen ist kein harmloses Freizeitvergnügen“, sagte Erik Bodendieck, Vorsitzender der Arbeitsgruppe „Sucht und Drogen“ der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Das habe zuletzt auch eine aktuelle Studie der Ludwig-Maximilians-Universität in München im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums bestätigt.

Cannabis könne demnach negative psychische, organische und soziale Effekte haben. Besonders für junge Konsumenten ist das Risiko der Studie zufolge hoch. „Cannabis kann abhängig machen – gerade auch in Hinblick auf die in den letzten Jahren stark angestiegenen THC-Gehalte der verwendeten Pflanzen“, warnte Bodendieck. „Es ist wichtig, die Bevölkerung besser über die negativen Auswirkungen der Droge zu informieren.“

Tetrahydrocannabinol (THC) ist der Hauptbestandteil von Hanf- beziehungsweise Cannabispflanzen und für die Rauschwirkung verantwortlich. Bodendieck betonte, die Bundesärztekammer werde weiterhin intervenieren, wenn es um die Freigabe von Cannabis zum Freizeitgebrauch gehe.

Eine Sprecherin von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) verwies gestern in Berlin ebenfalls auf die aktuelle Studie, wonach der Konsum der Droge „erhebliche negative gesundheitliche Folgen“ gerade für Kinder haben könne. Sie betonte, es seien keine Änderungen der Rechtslage geplant.