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Trump verhängt weitere Sanktionen gegen Norden
Korea gefangen zwischen den Extremen

Pyeongchang/Washington. Erst die Kim-Schwester, jetzt Trumps Tochter Ivanka. Die Winterspiele im südkoreanischen Pyeongchang erleben eine Charmeoffensive der beiden Hauptkontrahenten in dem explosiven Atomkonflikt. Doch schon bevor das Olympische Feuer erlischt, funkt Donald Trump dazwischen.

Ivanka Trump in heikler Mission: Als die Tochter von US-Präsident Donald Trump im schwarzen Kleid zum Abendessen im Blauen Haus in Seoul eintraf, zog ihr das südkoreanische Protokoll erstmal die Schuhe aus. Als guter Gastgeber hielt ihr Moon Jae In wie in Südkorea üblich Latschen bereit – für die 36-jährige Mode-Ikone rote, mit Gold verzierte, elegante Pantinen. Damit trat die enge Beraterin ihres Vaters und Sondergesandte des Weißen Hauses für die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang in ein politisches Minenfeld.

Stunden nach dem Treffen, als es in Seoul längst dunkel ist, dringen Tausende Kilometer entfernt in Washington heikle Neuigkeiten aus dem Weißen Haus. Trumps Regierung will neuen Druck auf Nordkorea machen und verhängt weitere Sanktionen gegen Dutzende Schiffseigner, Reedereien und Handelsunternehmen. Es handele sich um die „heftigsten Sanktionen“, die jemals verhängt worden seien, erklärt der US-Präsident. Man hoffe, dass etwas Positives passieren werde.

Wie das konkret funktionieren könnte, sagte Trump nicht. Seine Hoffnung scheint kaum realisierbar, gibt es doch auch zwischen den Verbündeten selbst im weiteren Umgang mit dem nordkoreanischen Atomwaffen- und Raketenprogramm Differenzen. Diese Differenzen tauchten beim Bankett mit Trumps Tochter Ivanka und dem südkoreanischen Präsidenten auf – trotz aller Freundlichkeiten. Hier Südkoreas Präsident, der für Dialog wirbt, da die „First Daughter“ der USA, die für Sanktionen und „maximalen Druck“ auf Nordkorea plädiert. Es war ein brisanter Besuch. Besonders nachdem der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un vor zwei Wochen seine Schwester Kim Yo Jong zur Eröffnung der Spiele geschickt hatte.



Beide Frauen sind einflussreiche Beraterinnen der wichtigsten Gegenspieler, Kim und Trump. Ihr sanftes Auftreten vermittelt – geradezu irreführend – den Eindruck der Mäßigung in einem Konflikt, der Zehntausende Tote in beiden Koreas zur Folge haben könnte. Beide sind die Stars der Regenbogenpresse. Hier ein „freundliches, verschmitztes Gesicht des Sozialismus“ aus Pjöngjang, dort eine erfolgreiche, modebewusste Geschäftsfrau, die als die „bessere Seite“ ihres mächtigen Vaters wahrgenommen wird.

Von „Geheimwaffen“ ist die Rede. Aber alle Vergleiche hinken: Kim Yo Jong ist die Vertreterin eines repressiven Systems, das sein Volk wie eine Sekte fest im Würgegriff hält und die letzten Ressourcen des armen Landes für ein Atomwaffen- und Raketenprogramm aufbraucht, während es harten UN-Sanktionen unterworfen ist. Ivanka Trump dagegen repräsentiert – bei aller Kritik an der Politik ihres Vaters – den amerikanischen Traum, in dem jeder Freiheit genießt und nach seinen Möglichkeiten erfolgreich oder sogar eben Präsident werden kann.

Olympia gibt nur eine Atempause. Spätestens wenn das olympische Feuer erlischt und die Paralympischen Spiele am 18. März enden, drohen die Spannungen wieder aufzuflammen. Wegen der nun verhängten Sanktionen könnte das vielleicht sogar schneller passieren. Zudem werden die USA und Südkorea die wegen der Winterspiele verschobenen Militärmanöver nachholen. Das wird Nordkorea auch als Provokation empfinden, obwohl beide Verbündete seit Jahrzehnten solche Manöver abhalten.

Die Taktik von Kim Jong Un ist durchschaubar. Mit seiner Einladung an Südkoreas Präsidenten Moon Jae In zu einem Besuch nach Pjöngjang versucht Nordkoreas Führer, die USA zu umgehen und einen Keil in die Sicherheitsallianz zu treiben. Moon ist sich der Gefahr bewusst. Eine Zusammenarbeit mit dem Norden ohne die Zustimmung Washingtons würde den Sanktionsmechanismus gefährden und alles aufs Spiel setzen.

Moon steht fest zum Bündnis mit den USA, hofft aber, dass der innerkoreanische Dialog zu Gesprächen Nordkoreas mit den USA führt. Das würde sein Dilemma lösen und den Weg zu einem Gipfeltreffen nach Pjöngjang ebnen. „In dieser Situation, in der mit Blick auf den Frieden auf der koreanischen Halbinsel Chancen und Herausforderungen bestehen, ist es nötig, aktiv die Initiative zu ergreifen“, stellt das Vereinigungsministerium in Seoul fest.

Die USA sind durchaus offen für Gespräche mit Nordkorea – doch müssen diese auf eine Beseitigung der atomaren Bedrohung hinauslaufen. So gab sich schon US-Vizepräsident Mike Pence gesprächsbereit. Er wollte sich auf ein geheimes Treffen mit der Kim-Schwester am Tag nach der Eröffnungsfeier in Seoul einlassen. Auch wenn er ihr nur die Leviten lesen wollte, wie er sagt, wäre es der ranghöchste Kontakt in der Krise gewesen. Doch Kim Yo Jong ließ das Treffen in letzter Minute platzen – verärgert darüber, dass Pence die neuen Sanktionen angekündigt und nordkoreanische Flüchtlinge getroffen hatte.

„Wir winken nicht mit dem Zuckerbrot, um sie zu Gesprächen zu bewegen. Wir setzen große Peitschen ein“, sagte US-Außenminister Rex Tillerson in der CBS-Sendung „60 Minutes“ zur Sanktionspolitik des „maximalen Drucks“ der USA. „Unsere diplomatischen Bemühungen werden weitergehen, bis die erste Bombe fällt.“ Er wisse nicht, wie viel Zeit bleibe. Die Kanäle seien offen. Nordkorea müsse sich nur melden, betonte Tillerson.

Aber Kim Jong Un meldet sich nicht. Bei allem taktischen Geschick steckt auch der junge Machthaber in einem Dilemma. Für ihn sind die Atomwaffen die Überlebensgarantie seines Systems und stehen damit nicht zur Disposition. Aber die Sanktionen werden mit der Zeit schmerzen, sein leidgeprüftes Land weiter in die Knie zwingen. Manche Beobachter sehen darin das Motiv für seine Annäherung an Südkorea und seine überraschende Flexibilität. Sein Vorstoß hat ihm zu Olympia einen propagandistischen Etappensieg gebracht. Aber die Krise ist weder für ihn noch für Trump oder Moon entschärft.