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Kabinettsumbildung
Von Macron muss mehr kommen

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Das soll nun also der lange erwartete Neuanfang sein? Ein Innenminister, der den Job vor allem bekommen hat, weil er dem Präsidenten treu gedient hat. Neuzugänge aus dem sozialistischen und konservativen Lager, die keiner kennt. Von Christine Longin

Junge Staatssekretäre, die vor allem das Verdienst haben, zur Partei des Präsidenten zu gehören. Das neue Kabinett zeigt die Einsamkeit von Emmanuel Macron. So stark ist sein Führungsstil auf ihn selbst zugeschnitten, dass prominente Politiker oder Vertreter der Zivilgesellschaft nicht an seiner Seite arbeiten wollen. Zwei Wochen lang hatte Macron über der Regierungsumbildung gebrütet und sich dabei einige peinliche Absagen geholt. Ein weiterer Schlag für seine Autorität, die ohnehin angeknackst ist. Das neue Kabinett trägt nicht dazu bei, diese wiederherzustellen. Es wirkt seltsam zaghaft für einen Präsidenten, der mit dem Anspruch angetreten war, alles anders zu machen.

Die Trendwende gegen Macrons Umfragetief kann nur von Macron selbst kommen. Der will zwar seinen Kurs nicht ändern, aber doch korrigieren. Das neue Super-Ministerium für territorialen Zusammenhalt, das den Blick stärker auf den bisher vernachlässigten ländlichen Raum richten soll, ist ein erstes Signal. Für einen echten Neuanfang reicht das aber noch nicht.