| 21:13 Uhr

Kommentar zu US-Gewalt
Eine tödliche Mischung

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Nur 24 Stunden nach der Festnahme des Mannes, der mit Briefbomben prominente Trump-Kritiker ins Visier genommen hatte, tötet ein schwerbewaffneter Antisemit in einer Synagoge in Pittsburgh elf Menschen. Von Friedemann Diederichs

Beide Täter vereint mindestens eines: Der extreme Grad der Radikalisierung, was sich vor allem in der Opposition zu einer liberalen Einwanderungspolitik manifestiert, die von Demokraten und jüdischen Organisationen vertreten wird. Doch es gibt auch einen für die politische Debatte wichtigen Unterschied: Der Briefbomben-Versender war ein Fan von Donald Trump, der Mörder von Pittsburgh hasste ihn. Eine Pauschalisierung wie „Trump ist schuld!“ verbietet sich also – aber nicht die Frage, warum die Hemmschwellen für jene, die einen solch schändlichen Terrorakt begehen wollen, so niedrig zu sein scheinen. Ist die Radikalisierung der Täter eine unausweichliche Folge des Hassklimas, das seit langem in den USA herrscht, und in dem politisch Andersdenkende schnell dämonisiert und attackiert werden? Es spricht vieles für diese These. Hinzu kommen die amerikanischen Waffengesetze, die es ermöglichten, Bürgern ein Arsenal aufzubauen. Gepaart mit der Gewaltbereitschaft mancher Randgruppen bildet dies eine tödliche Mischung, die die Politik nicht mit radikaler Rhetorik befeuern sollte.