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Berliner Notizen
Graue Eminenz mit blutigen Träumen

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Die Dieselkrise und mögliche Fahrverbote sind schon eine Nummer. Man blickt nicht mehr durch. Und irgendwie wird man das Gefühl nicht los, als ob sich die Deutschen mehr quälten als alle anderen Europäer. Von Hagen Strauss

FDP-Chef Christian Lindner brachte es in dieser Woche jedenfalls auf den Punkt: „Es überzeugt mich nicht, dass Neapel so viel sauberer sein soll als Limburg.“ Da ist was dran. In Limburg droht ebenfalls ein Fahrverbot. Und in Neapel? Dort eben nicht. Wegen Dolce Vita und so.

Helge Braun ist die graue Eminenz im Kanzleramt. So grau, dass ihn kaum einer kennt. Doch der Kanzleramtsminister soll mit seiner ausgleichenden Art für den Dieselkompromiss der GroKo gesorgt haben, der wiederum wenig effektiv ist. Jedenfalls weiß man, dass Braun mal Arzt war. Auf seiner Internetseite verriet der CDU-Mann jetzt dies: Wenn es im Kanzleramt besonders bürokratisch zugehe, „träume ich schon davon, im Notarztwagen zu sitzen, mal wieder praktischer zu arbeiten“. Träume gibt’s.



Volker Kauder ist wieder da. Nach der deftigen Klatsche durch seine Abwahl als Unionsfraktionschef war der Merkel-Vertraute abgetaucht. Inzwischen sieht man ihn auch wieder im Bundestag. Parteifreunde berichteten in dieser Woche, er mache einen aufgeräumten Eindruck, wolle auch sein Mandat erfüllen. „Wer weiß, wofür es gut gewesen ist“, soll er gesagt haben. Und Kauder wird auch mit dem Satz zitiert: „Wer weiß, was passiert wäre, wenn es doch knapp gereicht hätte.“ Richtige Erkenntnis.

Michael Kretschmer, Ministerpräsident, hatte in den letzten Wochen reichlich zu tun. Er musste nach den Ereignissen von Chemnitz dem Rest der Republik und seinen Landleuten erklären, warum das Bundesland Sachsen nicht braun ist. Nun weiß man, was Kretschmer macht, wenn er abschalten will. Dann gibt er den Handwerker und werkelt in seinem Haus herum. „Eine halbe Stunde, und ich habe alles andere vergessen“, so der CDU-Mann in dieser Woche. Hoffentlich nicht für immer.