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König Seehofer gegen Kronprinz Söder

München. Horst Seehofer und Markus Söder, die politischen Alphatiere der CSU, sind sich in gegenseitiger Abneigung verbunden. Nun sucht offenbar Seehofer nach Wegen, um den Aufstieg Söders zu verhindern. Agentur

"Es ist wie im alten Rom", sagt ein CSU-Mann aus dem Parteivorstand. "Wir sitzen als Zuschauer auf den Rängen und schauen zu, wie sich die zwei Kontrahenten unten in der Arena bekämpfen." Gemeint sind Parteichef Horst Seehofer und dessen aussichtsreichster Nachfolge-Kandidat Markus Söder . Doch ist es kein offener Machtkampf, und eine Revolution steht nicht an in der CSU . Offensichtlich ist aber, dass Seehofer immer intensiver um die Verteilung seines Erbes kämpft und Söder um seine politische Zukunft.

Es ist ein Machtkampf mit Nadelstichen, und zwar gegenseitigen, mal schmerzhafter, mal weniger. Jüngstes Beispiel: Nach einem "Spiegel"-Bericht denkt Seehofer darüber nach, die nächste Parteivorsitzenden-Wahl um ein Jahr auf diesen Herbst vorzuziehen und sich selbst bis 2018 an die Parteispitze wählen zu lassen. Er wolle damit verhindern, dass Söder schon 2017 zum Parteichef aufsteige, heißt es. "Reine Spekulation", sagt ein Parteisprecher.

Der 66 Jahre alte Seehofer ist seit 2008 CSU-Vorsitzender und bayerischer Ministerpräsident. Das Amt als Regierungschef will er mit der Landtagswahl 2018 abgeben. Das hat er bereits mehrfach angekündigt und zudem deutlich gemacht, dass er Ministerpräsidentenamt und CSU-Vorsitz in eine Hand legen will.

Nach dem "Spiegel"-Bericht soll eine endgültige Entscheidung über den Plan erst fallen, wenn der weitere Verlauf der Flüchtlingskrise absehbar ist. Sollte der Streit mit der CDU um die Flüchtlingspolitik weiter eskalieren, sei Seehofer entschlossen, bis 2018 Parteichef der CSU zu bleiben.

Dass Seehofer Söder als Nachfolger wenn irgend möglich verhindern will, ist in der CSU seit langem ein offenes Geheimnis. Allerdings scheinen alle Alternativ-Kandidaten chancenlos: Wirtschaftsministerin Ilse Aigner ebenso wie der Europapolitiker Manfred Weber . Söder weiß, dass es auf ihn zuläuft - und arbeitet ganz gezielt auf seinen großen Tag hin.

Meinung:

Bayerischer Machtkampf

Von Merkur-MitarbeiterRalf Müller

Dass Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer den CSU-Vorsitz 2017 tatsächlich abgibt, wird immer unwahrscheinlicher. Der Grund dafür heißt Markus Söder . Mit jeder Woche, in der der bayerische Finanzminister weitere Proben seines "von Ehrgeiz zerfressenen" (Seehofer) Charakters abgibt, wächst offenbar die Bereitschaft Seehofers zu einer Verlängerung seiner Amtszeit. Schon wird über eine Kampfabstimmung zwischen Seehofer und Söder auf einem CSU-Parteitag spekuliert. Doch wer die CSU kennt, weiß, dass dies ein unwahrscheinliches Szenario ist. Machtfragen werden hier anders beantwortet.