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Bonner Klimakonferenz
Klimaschutz-Demo: Aktivisten legen Bagger lahm

Kerpen. Zusammen mit tausenden Gleichgesinnten geht es Michael Grittmann auf dem Bonner Münsterplatz darum, ein Zeichen zu setzen. Der Vize-Vorsitzende des BUND Saarland ist am Samstag mit knapp zehn Mitstreitern an den Rhein gereist, um Druck zu machen – auf die Bundesregierung und die Weltklimakonferenz, die für zwei Wochen in Bonn tagt. „Es ging darum, Flagge zu zeigen“, sagt der Umweltschützer am Tag danach. Insgesamt demonstrieren in Bonn laut Veranstaltern rund 25 000 Menschen für mehr Klimaschutz – und ihre Forderungen an die Politik. „Kohle stoppen“ ist am Samstag die Hauptforderung – 50 Kilometer vom rheinischen Braunkohlerevier entfernt, wo der Protest am Sonntag weitergeht. Der deutschen Politik werfen die Umweltschützer vor, trotz aller Klima-Bekenntnisse an der Kohle als Klimakiller Nummer eins festzuhalten. Sie fordern Kohleausstieg, Verkehrswende, Agrarwende und international gerechte Klimapolitik. Bei dem bunten Protest aus aller Welt, den ein Bündnis aus Initiativen organisiert hatte, herrschte „gute Stimmung“, sagt Grittmann. „Erfreulich war auch, dass viele junge Menschen dabei waren.“

Einen Tag vor dem Start der Weltklimakonferenz in Bonn haben gestern am Tagebau Hambach Umweltschützer und Anwohner gegen den „Klimakiller Braunkohle“ demonstriert. Nach Angaben des Bündnisses „Ende im Gelände“ kamen 4500 Demonstranten. Nach dem friedlichen Auftakt der Aktionen am Morgen seien im Laufe des Nachmittags mehrere Hundert Aktivisten in den Tagebau eingedrungen, sagte Bündnissprecherin Janna Aljets. Sie hätten drei Bagger umstellt. Der Tagebau-Betreiber RWE habe die Bagger und ein Förderband gestoppt.

In dem nordrhein-westfälischen Tagebau sei es an einigen Stellen zu einem Polizeieinsatz zu Pferde und mit Pfefferspray gekommen, berichtete Aljets. Die Polizei selbst hatte bereits zuvor von Widerstandshandlungen gegenüber Polizisten an der Abbruchkante des Tagebaus und von Pfefferspray-Einsatz berichtet, um ein weiteres Eindringen von Aktivisten zu verhindern.

Am Morgen war die angemeldete Demonstration im rheinischen Buir gestartet. Bewohner der Fidschi-Inseln aus dem Südpazifik forderten zum Beginn der Proteste den sofortigen Kohleausstieg. Deutschlands Kohleabbau exportiere Zerstörung in den Pazifik und die Welt, sagte Sprecher George Nacewa. Der Klimawandel stelle eine direkte Bedrohung für die Menschen und Inseln im Pazifik dar.



Auf Transparenten forderten die Teilnehmer „Raus aus der Kohle“, „Tagebaue stoppen“ und „Kohle stoppen“. Dem Kraftwerksbetreiber RWE warfen die Braunkohlegegner vor, die Zukunft abzubaggern. Andere Demonstranten nannten die RWE einen „Heimat- und Klimakiller“. Das Dorf Manheim soll nach den bisherigen Planungen ab dem Jahr 2023 für den Tagebau Hambach abgebaggert werden.

Vertreter des Bündnisses „Ende Gelände“ kritisierten unter anderem die Bundesregierung, der es „am Willen zur Durchsetzung von Klimagerechtigkeit fehlt“.