| 22:10 Uhr

Kein Steiger-Award, aber dennoch Proteste

Bochum. Rund 25 000 Menschen haben am Samstag in Bochum friedlich gegen die geplante Vergabe eines Toleranzpreises an den türkischen Premierministers Recep Tayyip Erdogan protestiert. Allein an der Demonstration der Allevitischen Gemeinde Deutschlands nahmen nach Polizeiangaben mehr als 22 000 Menschen teil

Bochum. Rund 25 000 Menschen haben am Samstag in Bochum friedlich gegen die geplante Vergabe eines Toleranzpreises an den türkischen Premierministers Recep Tayyip Erdogan protestiert. Allein an der Demonstration der Allevitischen Gemeinde Deutschlands nahmen nach Polizeiangaben mehr als 22 000 Menschen teil. Auch Kurden und Armenier sowie die Föderation türkischer Sozialdemokraten demonstrierten in der Ruhrgebietsstadt gegen die ursprünglich für Samstagabend vorgesehene Verleihung des Steiger Awards an Erdogan. Der türkische Premier hatte seinen Besuch kurzfristig abgesagt. Die geplante Preisverleihung war zuvor auch von Menschenrechtsorganisationen sowie kurdischen und armenischen Verbänden kritisiert worden. Sie warfen Erdogan Menschenrechtsverletzungen und Unterdrückung von Minderheiten vor. Auch der Deutsche Journalistenverband verwies auf Repressalien gegen Journalisten in der Türkei.Auf Transparenten während der Demonstration hieß es "Erdogan bestraft Alleviten und belohnt Mörder", "Menschen-Unrechtspreis für Erdogan" oder "Unterdrückung ist das Gegenteil von Toleranz". Redner der Kundgebung bezeichneten die geplante Preisvergabe als "Schlag ins Gesicht" aller verfolgter Minderheiten in der Türkei.

Der Zentralrat der Armenier in Deutschland wertete die Protestaktionen auch als Zeichen, dass man kein Spiel auf dem Rücken von Migranten spielen dürfe. Der Zentralrat forderte die Stadt Bochum sowie die Landes- und die Bundesregierung auf, den türkischen Völkermord an den Armeniern anzuerkennen. Nur so könne verhindert werden, dass künftig Leugner des Völkermordes auf einem roten Teppich geehrt würden. Der türkische Premier sollte den Bochumer "Steiger Award" stellvertretend für sein Land für 50 Jahre deutsch-türkische Freundschaft entgegennehmen. Erdogan hatte jedoch in der Nacht zum Samstag seine Teilnahme abgesagt. Als Grund nannte er den Absturz eines türkischen Militärhubschraubers in Afghanistan mit 17 Toten. epd