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Schwangerenberatung in katholischer Kirche
Katholische Kirche geht auf Donum Vitae zu

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx.
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx. FOTO: Oliver Berg / dpa
Bonn . Im Streit um die Schwangerenberatung der katholischen Kirche gibt es nach Jahrzehnten eine entscheidende Annäherung. Die Deutsche Bischofskonferenz hat erstmals offiziell gewürdigt, dass sich auch der Verein Donum Vitae (Geschenk des Lebens) für den Schutz des Lebens einsetzt und Erfolge in der Konfliktberatung erzielt. Zugleich ermöglichen die Bischöfe Beraterinnen der Organisation die bisher untersagte Übernahme in kirchliche Beratungsstellen.

Donum Vitae wurde 1999 gegründet im Zuge des Ausstiegs der katholischen deutschen Bischöfe aus der gesetzlichen Schwangerenkonfliktberatung mit Ausstellung des Beratungsscheins. Vor 20 Jahren hatte der damalige Papst Johannes Paul II. die Bischöfe aufgerufen, in kirchlichen Einrichtungen keine Beratungsscheine mehr ausstellen zu lassen. Durch diesen Schein sah der Papst das Zeugnis der Kirche für den Lebensschutz verdunkelt. Anders als kirchliche Einrichtungen stellt Donum Vitae nach einer Beratung das Papier jedoch auf Wunsch aus.

Die Neuerungen gehen aus einem Schreiben von Kardinal Reinhard Marx an das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) hervor, das der Nachrichtenagentur KNA in Auszügen vorliegt. ZdK-Präsident Thomas Sternberg begrüßte die Entscheidung in einem Brief an die Mitglieder als „wichtige Klärung“ und „qualitativen Sprung“. Dies könne „manche Wunden heilen“. Der Vorgang war dem Vernehmen nach zuvor Thema bei einem turnusmäßigen Treffen der Diözesanbischöfe Anfang der Woche in Würzburg, dem sogenannten Ständigen Rat.

Auch die Donum-Vitae-Vorsitzende Rita Waschbüsch begrüßte die Annäherung und dankte Marx und Sternberg. Sie freue sich, dass sich das Verhältnis zu den Bischöfen entkrampfen und es zu einem friedlichen Nebeneinander der beiden Beratungsinitiativen kommen könne. Sie freue sich auch für die Donum-Vitae-Beraterinnen, die die Haltung der Bischöfe teilweise als diskriminierend empfunden hätten.



In dem Schreiben des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz an Sternberg heißt es: „Es besteht kein Zweifel, dass das Ziel von Donum Vitae ebenso wie das der bischöflich verantworteten Schwangerenberatung der Schutz des ungeborenen Menschen ist. Ich stelle fest, dass es über die Jahre hinweg auch vielen Beraterinnen von Donum Vitae gelungen ist, zahlreichen Frauen bzw. Eltern Mut zu machen für ein Leben mit dem Kind, und dafür bestmögliche Hilfestellungen zu bieten. Dafür dürfen wir gemeinsam dankbar sein.“

Mit Blick auf kirchliche Arbeitsverhältnisse schreibt Marx weiter: „Deshalb halte ich es für selbstverständlich, dass Personen, die in einer Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle des Donum Vitae e.V. gearbeitet haben, in bischöflich anerkannten Schwangerenberatungsstellen beschäftigt werden können.“

Durch einen sogenannten Abgrenzungsbeschluss von 2006 war dies bisher nicht möglich. Die Bischöfe untersagten kirchlichen Angestellten die Mitarbeit bei dem bürgerlichen Verein, den prominente Katholiken gegründet hatten. Bei Donum Vitae handele es sich um eine Vereinigung außerhalb der katholischen Kirche, hieß es damals.