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Abbrecher bei Bundesfreiwilligendienst
Jeder dritte „Bufdi“ gibt auf

„Bufdis“ helfen seit 2011 in sozialen Projekten, etwa beim Essen auf Rädern. Doch viele brechen vorzeitig ab.
„Bufdis“ helfen seit 2011 in sozialen Projekten, etwa beim Essen auf Rädern. Doch viele brechen vorzeitig ab. FOTO: dpa / Jan Woitas
Berlin. Die Abbrecher-Quote beim Bundesfreiwilligendienst ist hoch. Die Gründe sind unklar. Von Stefan Vetter

Sie helfen in Altenheimen, betreuen Umweltprojekte und Flüchtlinge, oder teilen Essen an Bedürftige aus – der Bundesfreiwilligendienst ist eine feste Größe im sozialen, ökologischen und kulturellen Getriebe der Gesellschaft. Vor sieben Jahren im Zuge der Aussetzung der Wehrpflicht ins Leben gerufen, haben bislang insgesamt 307 372 Männer und Frauen in Deutschland einen Bundesfreiwilligendienst absolviert. Und das offenbar nicht immer zur persönlichen Zufriedenheit. Denn jeder dritte Teilnehmer bricht seinen Dienst vorzeitig ab, wie aus einer Übersicht der Bundesregierung hervorgeht, die unserer Redaktion vorliegt.

Nach Angaben des Bundesfamilienministeriums quittierten zwischen Anfang Juli 2011 und Ende März 2018 genau 98 633 Frauen und Männer vorzeitig den in der Regel zwölf Monate langen Dienst. Die Abbruchquote liegt damit bei 32 Prozent. Auffällig auch, dass die Rate in den alten Bundesländern mit 35 Prozent deutlich höher ist als im Osten (26 Prozent).

Gründe nennt das Ministerium nicht. Naheliegend ist, dass etwa die Zusage zu Studienplatz oder Lehrstelle eine entscheidende Rolle für die Umorientierung spielt. „Wenn jedoch fast ein Drittel der Dienstleistenden ihre Stelle vorzeitig aufgibt, muss nach weiteren Ursachen gefragt werden“, meint die Sprecherin für bürgerschaftliches Engagement der Linken, Katrin Werner. Dazu müssten auch „die Qualität des Dienstes, der Arbeitsbedingungen und des Bildungsprogramms auf den Prüfstand gestellt werden“. Werner hatte die Zahlen von der Bundesregierung angefordert.



Aus der Datenübersicht geht weiter hervor, dass der Bundesfreiwilligendienst im Westen vor allem eine Domäne der 16- bis 27-Jährigen ist. Dagegen sind im Osten nahezu zwei Drittel der „Bufdis“ älter als 27. Während der Dienst im Westen meist zur „Orientierungs- und Übergangsphase“ genutzt werde, komme er im Osten häufig als „Alternative zur Erwerbstätigkeit“ in Betracht, mutmaßt Werner. Dies stelle jedoch „den Bildungscharakter des Dienstes in Frage und macht ihn zu einer arbeitsmarktpolitischen Maßnahme“. Deshalb müssten „endlich die Kontrollen zur Einhaltung der Arbeitsmarktneutralität verschärft und dokumentiert werden“.

In welchem Umfang durch „Bufdis“ womöglich reguläre Jobs verdrängt werden, ist unklar. Das Ministerium erklärte lediglich, dass es „vereinzelt“ zu entsprechenden Beschwerden komme, denen aber stets nachgegangen werde. Nach den gesetzlichen Vorgaben dürfen die Freiwilligen nur unterstützend tätig sein und keine hauptamtlichen Kräfte ersetzen. Über die Zahl derer, die vor Dienstbeginn arbeitslos waren, gibt es ebenfalls keine Statistik. Das Taschengeld für „Bufdis“ liegt nach Regierungsangaben derzeit allerdings nur bei durchschnittlich 267 Euro im Monat.