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Zensur für China
Ist bei Google jetzt böse okay?

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Das Futter der Cash-Maschinen im Silicon Valley heißt Wachstum. Da ist es verständlich, dass der Tech-Riese schlechthin, Alphabet mit seinem Herzstück Google, wieder auf den größten Markt der Welt in China blickt.

Dass das US-Unternehmen sich vor Jahren wegen der Zensur von dort zurückzog, ehrt die Tech-Milliardäre. Unternehmerisches Kalkül mag dabei eine Rolle gespielt haben. Googles Geschäft sind Informationen. Sein Erfolg als Drehscheibe des Weltwissens beruht auf dem Nutzwert, aber auch auf dem Vertrauen in die Auswahlkriterien für die Suchergebnisse. Doppelte Standards in Demokratien und Autokratien untergraben dieses Vertrauen.

Die Berichte über angebliche Bemühungen, mit einer App unter anderem Namen den Herrschern in China nachzugeben, sollten daher hellhörig machen. Die Tech-Industrie ist entgegen ihrem Selbstbild eben kein Philanthropen-Verein. Dass ihr eigenes Gewinnstreben stets auch der Weltverbesserung dient, reden US-Politik  und -Wirtschaft gern sich und anderen ein.

Google hat sein schönes Motto „Don’t be evil“ („Sei nicht böse“) übrigens erst vor wenigen Monaten aus der Präambel des eigenen Verhaltenskodexes nach hinten verbannt. Wenn das China-Geschäft kommt, sollte der Satz ganz gestrichen werden.