| 23:08 Uhr

Nach Raketenbeschuss
Israel fliegt Luftangriffe auf Gazastreifen

Gaza. Israel hat gestern nach einem palästinensischen Raketenbeschuss Luftangriffe gegen den Gazastreifen geflogen. Dabei wurden nach Behördenangaben drei Palästinenser getötet und mindestens 18 weitere verletzt.

Auf israelischer Seite gab es bis zu sieben Verletzte. Die Gewalteskalation erfolgte während laufender indirekter Gespräche Israels mit der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas über einen möglichen Waffenstillstand unter Vermittlung Ägyptens und der Uno.

Gestern Mittag unterbrachen die palästinensischen Kämpfer und die israelische Armee ihre seit Mittwochabend anhaltenden Angriffe für mehrere Stunden. Am Abend attackierte die israelische Luftwaffe dann ein Kulturzentrum in Gaza-Stadt, in dem sich nach Angaben desselben auch Büros der ägyptischen Gemeinde in Gaza befand. Der israelischen Armee zufolge benutzten Sicherheitskräfte der im Gazastreifen herrschenden Hamas das fünfstöckige Gebäude „zu militärischen Zwecken“.

Zuvor war eine Rakete aus dem Gazastreifen auf israelischem Gebiet in der Nähe der südlichen Stadt Beerscheba eingeschlagen. Verletzte oder Schäden gab es dabei nicht. Es war das erste Mal seit dem Gazakrieg von 2004, dass ein Geschoss aus dem Palästinensergebiet so tief ins Landesinnere vordrang. Beerscheba ist etwa 40 Kilometer vom Gazastreifen entfernt.



Zwischen Mittwochabend und gestern Mittag waren nach israelischen Angaben mehr als 180 Raketen und Granaten aus dem Gazastreifen auf den Süden Israels abgefeuert worden. Die israelische Armee sprach von sieben verletzten Zivilisten. Zahlreiche Bewohner der Region brachten sich in Schutzräumen in Sicherheit. Die meisten Geschosse landeten auf unbewohntem Gebiet oder wurden abgefangen. Allerdings wurde auch die Stadt Sderot von mindestens zwei Geschossen getroffen. Nach Angaben örtlicher Rettungskräfte wurden mindestens vier Menschen mit Verletzungen in Krankenhäuser eingeliefert.

Israel reagierte nach Armeeangaben mit Luftangriffen auf 150 militärische Ziele der Hamas. Nach palästinensischen Angaben wurden dabei ein Mitglied des bewaffneten Arms der Hamas sowie eine 23-jährige Schwangere und ihre 18 Monate alte Tochter getötet – der Familienvater wurde bei dem Angriff im Zentrum des Gazastreifens verletzt.

Zu den Angriffen auf Israel bekannte sich der bewaffnete Arm der Hamas. Die Palästinenserorganisation hatte nach der Tötung zweier ihrer Mitglieder durch die israelische Armee am Dienstag mit Vergeltung gedroht.

Der Tötung der Hamas-Mitglieder war ein Beschuss israelischer Soldaten an der Grenze zum Gazastreifen vorausgegangen. Israelischen Medienberichten zufolge räumte die Armee aber später ein, dass der Angriff auf die Hamas erfolgt sei, nachdem die Armee „fälschlicherweise“ angenommen habe, dass die Schüsse von dieser Stellung aus erfolgt seien.

Gestern beendeten die Hamas und ihre Verbündeten die Angriffe zunächst. Ein Vertreter des gemeinsamen Kommandos der bewaffneten Gruppen im Gazastreifen sagte, alle Gruppen hätten gegen Mittag ihre Angriffe eingestellt. Diese seien eine „Antwort auf die israelische Aggression“ gewesen.

Der UN-Nahostgesandte Nickolai Mladenow zeigte sich „alarmiert über die jüngste Eskalation der Gewalt zwischen dem Gazastreifen und Israel und insbesondere über die zahlreichen auf Gemeinden im Süden Israels abgefeuerten Raketen“. Er rief alle Seiten zur Zurückhaltung auf.