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Iran fährt Uran-Anreicherung hoch

Teheran. Trotz drohender Sanktionen hat der Iran gestern mit der Produktion von auf 20 Prozent angereichertem Uran begonnen. Das Verfahren begann in der Atomanlage Natans in Anwesenheit von Inspekteuren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)

Teheran. Trotz drohender Sanktionen hat der Iran gestern mit der Produktion von auf 20 Prozent angereichertem Uran begonnen. Das Verfahren begann in der Atomanlage Natans in Anwesenheit von Inspekteuren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA). Während China vor Strafmaßnahmen gegen den Iran warnte, unterstrich Russland die Zweifel an der friedlichen Ausrichtung des iranischen Atomprogramms. Laut dem Leiter der iranischen Atomenergiebehörde, Ali Akbar Salehi (Foto: afp), soll das im südlich von Teheran gelegenen Natans angereicherte Uran anschließend zu Brennstäben verarbeitet werden. Ein IAEA-Sprecher bestätigte die Anwesenheit von Inspekteuren in Natans. Das in Natans produzierte Material wird nach iranischen Angaben zum Betrieb eines Forschungsreaktors für medizinische Zwecke benötigt. Teheran versichert, sein Atomprogramm diene allein zivilen Zwecken. Die USA und ihre Verbündeten verdächtigen das Land jedoch, unter dem Vorwand eines zivilen Atomprogramms Nuklearwaffen zu entwickeln. Die USA und Frankreich, neben China, Russland und Großbritannien ständige Mitglieder im UN-Sicherheitsrat, befürworten neue scharfe Sanktionen gegen den Iran. US-Verteidigungsminister Robert Gates äußerte gestern die Erwartung, dass der UN-Sicherheitsrat "in den kommenden Wochen, nicht Monaten" eine entsprechende Resolution verabschieden werde. Die neue EU-Außenministerin Catherine Ashton äußerte sich besorgt über die begonnene Uran-Anreicherung im Iran. Dies belaste das Vertrauen in das iranische Atomprogramm zusätzlich, erklärte Ashton. Der Chef des russischen Sicherheitsrats, Nikolai Patruschew, sagte, die Aktivitäten des Iran stießen bei anderen Staaten auf "begründete Bedenken". Teheran müsse mit der IAEA offen zusammenarbeiten. China sprach sich hingegen für weitere Verhandlungen mit dem Iran aus. Es sei zu hoffen, dass die beteiligten Parteien in der Frage des Forschungsreaktors schnellstens eine Einigung erzielten, erklärte ein Außenamtssprecher. Vor dem Hintergrund des Atomstreits protestierten in Teheran rund einhundert Mitglieder der paramilitärischen Bassidsch-Miliz zum Teil mit Gewalt vor den Botschaften Italiens und Frankreichs. Die Proteste richteten sich gegen die angebliche Einmischung der beiden Länder in die inneren Angelegenheiten des Irans. Das Auswärtige Amt dementierte am Abend Berichte, wonach die Milizionäre auch vor die deutsche Botschaft zogen. afp