| 21:41 Uhr

Saar-Ministerpräsidentin verletzt
Unfall auf der Überholspur

Auf der A 10 bei Potsdam, zwischen Ferch und Michendorf, hatte der Dienstwagen von Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer einen Unfall.
Auf der A 10 bei Potsdam, zwischen Ferch und Michendorf, hatte der Dienstwagen von Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer einen Unfall. FOTO: Julian Stähle / dpa
Saarbrücken/Potsdam. Auf dem Weg nach Berlin verunglückt Saar-Regierungschefin Kramp-Karrenbauer. Nicht nur die Sondierer senden Genesungswünsche. Von Michael Jungmann und Daniel Kirch

Spitzenpolitiker führen ein Leben auf der Überholspur. Das gilt im übertragenen wie im wörtlichen Sinne. Entgegen populären Vorurteilen stehen sie oft unter gehörigem Terminstress. Annegret Kramp-Karrenbauer, die saarländische Ministerpräsidentin, weilte bis Mittwochnachmittag noch bei den Sondierungen von Union und SPD in Berlin. Abends, nach 19 Uhr, sprach die CDU-Politikerin aus Püttlingen dann bereits beim Neujahrsempfang in der Saarbrücker Saarlandhalle. Kurz nach Mitternacht bestieg sie ihren Dienstwagen, um sich über Nacht nach Berlin chauffieren zu lassen.

Denn am Donnerstag um acht Uhr gingen bereits die Sondierungen weiter, angekündigt war die entscheidende Sitzung, bei der Kramp-Karrenbauer nicht fehlen wollte. Mit der Luxair-Frühmaschine ab Ensheim wäre sie erst um 9.05 Uhr in Berlin-Tegel gelandet. Wohl deshalb fiel ihre Wahl aufs Auto. Kramp-Karrenbauer war nach gut vier Stunden Fahrzeit bereits kurz vor Berlin, als ihr Dienstwagen um 4.22 Uhr auf der A 10 (Berliner Ring) plötzlich mit einem Lastwagen zusammenstieß. Der Unfallort, zwischen den Autobahnanschlussstellen Ferch und Michendorf, liegt in einem Baustellenbereich mit drei verengten Fahrbahnen. Das Tempolimit war deshalb auf 60 Kilometer pro Stunde reduziert. Es handelt sich angeblich um einen Unfallschwerpunkt.

Die Unfallursache stand gestern noch nicht fest. Fotos dokumentieren, dass Kramp-Karrenbauers Dienstwagen, der bei der Unfallaufnahme auf der linken Überholspur stand, auf der Beifahrerseite schwer beschädigt ist. Alle Airbags hatten ausgelöst. Nach Polizeiangaben ist der 7er BMW nicht mehr fahrbereit. Auch ihr Fahrer und die zwei Personenschützer im Wagen, beides Kriminalbeamte der Saar-Polizei, erlitten leichte Verletzungen. Die drei Begleiter sind 49, 54 und 58 Jahre alt.



Kramp-Karrenbauer wurde in der Ernst-von-Bergmann-Klinik in Potsdam behandelt. Um die Mittagszeit meldete sie sich über Facebook und Twitter aus der Klinik: „Nach dem Autounfall am frühen Morgen geht es meinen Kollegen und mir den Umständen entsprechend gut. Derzeit laufen weitere medizinische Untersuchungen. Ich hoffe, das Krankenhaus morgen verlassen zu können, bleiben eine Nacht zur Beobachtung. Ich danke allen herzlich für die Genesungswünsche!“

In ihrer Ansprache beim Neujahrsempfang hatte Kramp-Karrenbauer selbst auf den anhaltenden Terminstress in Zusammenhang mit den Sondierungsgesprächen verwiesen. Sie sagte: „Die Irrungen und Wirrungen der Berliner Regierungsfindung haben einer Reihe von Ministerpräsidenten doch einen gewissen Strich durch die Terminplanung gemacht.“ Das gilt nicht zuletzt für sie. Der Neujahrsempfang, zu dem sie und ihr Mann Helmut 1800 Gäste eingeladen hatten, war seit Monaten geplant.

Kramp-Karrenbauer wollte (oder durfte?) vermutlich auch deshalb bei den Sondierungsgesprächen mit der SPD in Berlin nicht fehlen, weil die 55-Jährige dort eine zentrale Figur ist. Sie ist die Chef-Unterhändlerin der CDU für die Themenfelder Soziales/Rente/Gesundheit/Pflege (wozu auch der Knackpunkt Bürgerversicherung gehört) und Familie/Frauen/Kinder/Jugend. In Berlin wird spekuliert, dass dies ein erster Fingerzeig für eine bevorstehende Karriere als Bundesministerin sein könnte. In der Bundes-CDU fällt sogar in schöner Regelmäßigkeit der Name Kramp-Karrenbauer, wenn es um die Frage geht, wer Angela Merkel eines Tages als CDU-Chefin und als Bundeskanzlerin nachfolgen könnte.

Die Kanzlerin soll die Qualitäten der Ministerpräsidentin in den Koalitionsverhandlungen mit der SPD vor vier Jahren kennen gelernt haben. Schon damals saß Kramp-Karrenbauer mit am Verhandlungstisch, allerdings nicht als Verhandlungsführerin für einen bestimmten Politikbereich. Damals, so berichtete das Politikmagazin „Cicero“ im Jahr 2014 unter Berufung auf Merkel-nahe Quellen, sei Kramp-Karrenbauer der Kanzlerin immer wieder durch Ruhe und Entspanntheit aufgefallen. Etwa, indem sie in den Verhandlungspausen nicht „rumgehühnert“ habe, sondern sich zwei Stühle zurecht gestellt, die Füße hochgelegt, ein Buch gelesen oder die Augen geschlossen habe.

Über Twitter und Facebook meldeten sich gestern politische Freunde wie Gegner mit Genesungswünschen. SPD-Landeschef Heiko Maas („Schreck am Morgen. Liebe AKK, Dir und deinen Begleitern schnelle und gute Genesung“) und Vize-Regierungschefin Anke Rehlinger („Keine guten Nachrichten am Morgen. Gute Besserung AKK und allen, die mit im Auto saßen“) wünschten Kramp-Karrenbauer und ihren drei Begleitern ebenso gute Besserung wie Noch-Grünen-Chefin Simone Peter oder FDP-Chef Christian Lindner, der schrieb: „Nachts noch viele Kilometer auf den Straßen unterwegs – wer kennt das in der Politik nicht.“

CDU-Vize Julia Klöckner twitterte aus den laufenden Sondierungen: „Wir denken an Euch!“ Ex-Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) twitterte selbstkritisch, in der Politik glaube man oft, sich „ein schier unmenschliches Pensum zumuten zu müssen“.

Besonders gefreut haben dürfte sich Kramp-Karrenbauer über den Genesungswunsch ihres brandenburgischen Amtskollegen Dietmar Woidke: Der SPD-Politiker überraschte die Saar-Regierungschefin mit Blumen am Krankenbett.

Im Ernst-von-Bergmann-Klinikum Potsdam blieben die Regierungschefin und ihre Begleiter über Nacht.
Im Ernst-von-Bergmann-Klinikum Potsdam blieben die Regierungschefin und ihre Begleiter über Nacht. FOTO: Ralf Hirschberger / dpa
ARCHIV - Die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) sitzt am 16.03.2017 bei der Sendung "Endspurt - Spitzenkandidaten der Landtagswahl diskutieren" des Saarländischen Rundfunks in einem Fernsehstudio in Saarbrücken (Saarland). (zu dpa "Kramp-Karrenbauer bei Verkehrsunfall verletzt" vom 11.01.2018) Foto: Oliver Dietze/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
ARCHIV - Die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) sitzt am 16.03.2017 bei der Sendung "Endspurt - Spitzenkandidaten der Landtagswahl diskutieren" des Saarländischen Rundfunks in einem Fernsehstudio in Saarbrücken (Saarland). (zu dpa "Kramp-Karrenbauer bei Verkehrsunfall verletzt" vom 11.01.2018) Foto: Oliver Dietze/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ FOTO: Oliver Dietze / dpa