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Ansprache der Kanzlerin zur Corona-Krise
Merkel: Größte Herausforderung seit dem Zweiten Weltkrieg

 Eine Fernsehansprache der Kanzlerin gibt es üblicherweise nur an Silvester. In ihrer inzwischen fast 15-jährigen Amtszeit ist es das erste Mal, dass Merkel sich außerplanmäßig in einer Fernsehansprache äußert.
Eine Fernsehansprache der Kanzlerin gibt es üblicherweise nur an Silvester. In ihrer inzwischen fast 15-jährigen Amtszeit ist es das erste Mal, dass Merkel sich außerplanmäßig in einer Fernsehansprache äußert. FOTO: dpa / Fabian Strauch
Berlin. Kanzlerin bittet Bürger darum, die Lage ernst zu nehmen. Eine Ausgangssperre droht. epd

In einer Fernsehansprache hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an die Bürger in Deutschland appelliert, zur Eindämmung des Coronavirus Sozialkontakte zu meiden. Es sei „existentiell, auf eines zu setzen: das öffentliche Leben soweit es geht herunterzufahren“, sagte Merkel in der Ansprache, die mehrere Sender am Mittwochabend ausstrahlten.

Es komme auf jeden an, appellierte die Kanzlerin. Der Rat der Virologen sei eindeutig: „Kein Handschlag mehr, gründlich und oft die Hände waschen, mindestens eineinhalb Meter Abstand zum Nächsten und am besten kaum noch Kontakte zu den Alten, weil sie eben besonders gefährdet sind.“ Im Moment sei nur Abstand Ausdruck von Fürsorge, sagte Merkel.

Sie räumte ein, dass die Maßnahmen einschneidend und schwer seien, bezeichnete sie aber als notwendig. „Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst“, sagte sie. Seit dem Zweiten Weltkrieg habe es keine Herausforderung gegeben, „bei der es so sehr auf unser gemeinsames solidarisches Handeln ankommt“.



Deutschland habe ein exzellentes Gesundheitssystem. „Aber auch unsere Krankenhäuser wären völlig überfordert, wenn in kürzester Zeit zu viele Patienten eingeliefert würden, die einen schweren Verlauf der Coronainfektion erleiden“, erklärte die Regierungschefin.

Ausdrücklich dankte sie dem Personal in den Supermärkten, die einen Ansturm erleben. Dabei riet Merkel, Vorratshaltung sei sinnvoll, „aber mit Maß“: „Hamstern, als werde es nie wieder etwas geben, ist sinnlos und unsolidarisch“, betonte sie.

Dass es noch drastischere Maßnahmen gegen die Virusausbreitung geben könnte, schloss Merkel nicht aus. „Wir werden als Regierung stets neu prüfen, was sich wieder korrigieren lässt, aber auch: was womöglich noch nötig ist“, sagte sie.

Es sei eine dynamische Situation. Man werde „lernfähig bleiben, um jederzeit umdenken und mit anderen Instrumenten reagieren zu können“. Dabei sagte Merkel persönlich: „Für jemandem wie mich, für die Reise- und Bewegungsfreiheit ein schwer erkämpftes Recht waren, sind solche Einschränkungen nur in der absoluten Notwendigkeit zu rechtfertigen.“

Zwölf Menschen sind hierzulande an den Folgen einer Erkrankung mit dem neuartigen Virus gestorben. Bund und Länder haben zur Eindämmung der Virusausbreitung drastische Maßnahmen verhängt, um Sozialkontakte und damit Ansteckungsgefahren im öffentlichen Leben zu verhindern. Sollten die Maßnahmen nicht helfen, drohe ein bundesweites Ausgangsverbot. „Wenn zu viele Menschen die jetzige Lage weiterhin nur als lustige freie Zeit empfinden und ansonsten ihr Verhalten nicht verändern. Dann werden nur noch Ausgangssperren helfen“, sagte der Innenexperte der Unionsfraktion, Michael Frieser. Auch der Regierende Bürgermeister Berlins, Michael Müller und der brandenburgische Ministerpräsident Dietmar Woidke brachten Ausgangssperren ins Spiel. Bisher gibt es die Verbote nur in einzelnen Städten. Am gestrigen Mittwoch verhängte der Freistaat Bayern ein Verbot für die Stadt Mitterteich, die besonders vom Virus betroffen ist.