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Dr. Gunter Hauptmann für Impfpflicht
Saar-Ärztechef fordert einfachere Impfmöglichkeiten

Saarbrücken. Der Chef der Kassenärztlichen Vereinigung im Saarland hat als ausgebildeter Arzt kein Verständnis für Impfgegner. Die Gefahr, dass man durch eine Impfung einen Gesundheitsschaden erleidet, sei verschwindend gering und liege bei einer Wahrscheinlichkeit von unter zwei Prozent, sagt Dr. Gunter Hauptmann. Von Manuel Görtz

„Da passiert im Straßenverkehr und beim Rauchen viel mehr.“ Wer sich hingegen nicht impfen lasse, nehme nicht nur in Kauf, selbst schwer zu erkranken, sondern auch, diese Krankheit auf andere zu übertragen. Deshalb fordert der Gynäkologe eine Impfpflicht nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene, die im Beruf häufig in Kontakt mit anderen Menschen kommen – etwa für Ärzte, Pfleger, Erzieher und Lehrer. Es sei geradezu „sträflich, andere zu gefährden“, findet Hauptmann.

Allerdings scheint im Saarland die Impffreudigkeit zumindest bei der gefährlichen Kinderkrankheit Masern nicht gerade hoch zu sein. So waren hierzulande einer aktuellen Studie des Robert-Koch-Instituts (RKI) zufolge im Jahr 2017 gerade einmal 90,5 Prozent der Schulanfänger ausreichend gegen die Virusinfektion geimpft. Nur in Baden-Württemberg gab es im Bundesvergleich eine noch geringere Impfrate. Die Weltgesundheitsorganistation (WHO) hält hingegen eine Impfquote von mindestens 95 Prozent für erforderlich, um die sich immer stärker ausbreitende Krankheit auszurotten.

Wenn Menschen sich oder ihre Kinder nicht impfen lassen, liegt das nach den Erfahrungen Hauptmanns oft an „Schludrigkeit“ und nur in wenigen Fällen an Angst, dass die Impfung Nebenwirkungen hat. Deshalb müssten es Ärzte ihren Patienten einfach machen, einen Impftermin zu bekommen. „Die Ärzteschaft muss eine Impfung im Vorbeigehen anbieten“, fordert Hauptmann und meint damit schnelle Termine mit kurzen Wartezeiten, die sich auch für Berufstätige einfach einrichten lassen.



Wer auf Nummer sicher gehen will, ob sein Impfschutz noch ausreicht, dem rät der KV-Chef, beim nächsten Arztbesuch einfach seinen Impfpass mitzubringen. Dann könne eine eventuell erforderliche Nachimpfung oft gerade miterledigt werden.

Dass die Saarländer generell Impf-Muffel sind, glaubt Hauptmann trotz des schlechten Abschneidens bei den Masernimpfungen von Schulanfängern nicht und nennt als Beispiel die Grippe-Impfung in der vergangenen Saison. „Noch nie zuvor haben sich so viele Saarländer gegen Grippe impfen lassen“, freut sich der KV-Chef. Man müsse nur die Menschen über die Krankheiten und ihre möglichen Folgen aufklären und ihnen einfache Impfgelegenheiten bieten, dann steige auch die Impfrate.