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2,2 Prozent Wirtschaftswachstum
Konjunktur beschert Staat Rekordüberschuss

Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen 
Industrie, 
Dieter Kemp.
Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Dieter Kemp. FOTO: Gregor Fischer / dpa
Berlin. Um 2,2 Prozent ist das Bruttoinlandsprodukt 2017 gestiegen. Durch das höchste Wirtschaftswachstum seit 2011 füllen sich auch die Staats- und Sozialkassen.

Die deutsche Wirtschaft geht mit hohem Tempo ins neunte Wachstumsjahr in Folge. 2017 legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 2,2 Prozent zu, nach 1,9 Prozent im Vorjahr, wie das Statistische Bundesamt gestern in Berlin anhand vorläufiger Zahlen bekanntgab. Die Wirtschaft wuchs damit das achte Jahr in Folge und so kräftig wie seit 2011 nicht mehr. Ökonomen erwarten eine Fortsetzung des Booms in diesem Jahr.

Dem Staatshaushalt beschert die starke Konjunktur sprudelnde Steuern und Sozialbeiträge und unter dem Strich einen Rekordüberschuss. Die Wirtschaft selbst sieht eine „nachhaltige und robuste Entwicklung“, die Hunderttausende neue Arbeitsplätze bringen dürfte.

Der deutsche Staat nahm 2017 das vierte Mal in Folge mehr Geld ein als er ausgab. Auf den Rekord von 38,4 Milliarden Euro summierte sich der Überschuss bei Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialkassen. Das entspricht einem Plus von 1,2 Prozent des BIP. Damit liegt Deutschland in der Eurozone an der Spitze.



Europas größte Volkswirtschaft profitiert auch von den niedrigen Zinsen. Der Staat kommt dadurch am Kapitalmarkt billiger an Geld. Ein – wenn auch minimales – Minus hatte Deutschland zuletzt im Jahr 2013 verbucht.

Ein stärkeres Wirtschaftswachstum hatte es zuletzt 2010 (plus 4,1 Prozent) und 2011 (plus 3,7 Prozent) gegeben – damals musste sich Europas größte Volkswirtschaft allerdings erst wieder aus der tiefen Rezession des globalen Krisenjahres 2009 emporarbeiten.

Das Wachstumstempo hält unvermindert an: Zum Jahresende 2017 legte das BIP nach ersten Schätzungen der Statistiker um ein halbes Prozent zum Vorquartal zu. „Die deutsche Wirtschaft brummt“, brachte es jüngst ifo-Präsident Clemens Fuest auf den Punkt.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sieht den Aufschwung weiterhin „auf einer breiten Basis“. Der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Dieter Kempf, trat der Befürchtung entgegen, dass der Wirtschaft allmählich die Puste ausgehen könnte: „Die Kapazitäten in der Industrie sind so ausgelastet wie seit der weltweiten Finanzkrise vor zehn Jahren nicht mehr“, sagte er. „Echte Risiken für eine konjunkturelle Überhitzung sehen wir nicht.“

Üblicherweise verbindet sich mit „Überhitzung“ die Vorstellung einer Überforderung der Wirtschaft, die - verbunden mit übermäßig steigenden Preisen und Löhnen – die Konjunktur kippen lässt.

Getragen wurde der Aufschwung im vergangenen Jahr vor allem von positiven Impulsen aus dem Inland: Die privaten Konsumausgaben stiegen um zwei Prozent – und trugen damit allein 1,4 Punkte zum gesamtwirtschaftlichen Wachstum bei. Der Rest entfällt weitgehend auf Investitionen, während die Außenwirtschaft – ganz anders als in früheren Konjunkturzyklen – mit einem Wachstumsbeitrag von 0,2 Punkten keine treibende Rolle spielte.