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Allensbach-Studie
Die „Mitte“ klagt über immer mehr Aggressivität

 Nicht nur, aber auch im Straßenverkehr geht es in Deutschland immer aggressiver zu – das empfinden immerhin 90 Prozent der mittleren Generation zwischen 30 und 59.
Nicht nur, aber auch im Straßenverkehr geht es in Deutschland immer aggressiver zu – das empfinden immerhin 90 Prozent der mittleren Generation zwischen 30 und 59. FOTO: Getty Images/ istock / RapidEye
Berlin. Der Wohlstand wächst – aber ebenso das Unbehagen: Die „Generation Mitte“ sorgt sich zunehmend um die Gesellschaft, ergibt eine neue Studie. Von Stefan Vetter

Den Bundesbürgern im Alter zwischen 30 und 59 Jahren geht es nach einer neuen Allensbach-Studie materiell so gut wie nie. Allerdings fürchtet die „Generation Mitte“ wachsende Probleme – und beklagt eine zunehmende Aggressivität. Die Details:

Wie ist die eigene Lebenslage?



Die persönliche Zufriedenheit hat einen neuen Höchststand erreicht. Im Jahr 2013, als das Allensbach-Institut die „Generation Mitte“ erstmals näher unter die Lupe nahm, beurteilten 35 Prozent der mittleren Jahrgänge ihre wirtschaftliche Lage besser als fünf Jahre zuvor. 2019 sind es 44 Prozent. Im Gegenzug ging der Anteil derer, die ihre Lage schlechter beurteilen zwischen 2013 und 2019 von 23 auf 16 Prozent zurück.

Gibt es Ost-West-Unterschiede?

Ja. In Ostdeutschland sagen aktuell sogar 46 Prozent, dass es ihnen besser geht als vor fünf Jahren. Nur elf Prozent sehen eine Verschlechterung. Eine Erklärung für die Diskrepanz zwischen persönlicher Zufriedenheit und den jüngsten Wahlergebnissen gibt die Studie nicht. Interessant ist aber, dass 55 Prozent der Ostdeutschen meinen, es mache einen großen Unterschied, ob man aus Ost- oder Westdeutschland stamme. Unter den Westdeutschen ist nur jeder Dritte dieser Ansicht. Das deckt sich mit anderen Befragungen, wonach sich die meisten Ostdeutschen als „Bürger zweiter Klasse“ fühlen.

Was verunsichert die Befragten?

Offenkundig die Sorge vor einer ungewissen Zukunft. So wird die Frage, ob die deutsche Wirtschaft ihre starke Position in den nächsten Jahren verteidigen könne, nur von jedem Vierten bejaht. 41 Prozent meinen, die Wirtschaft werde zurückfallen. Zwei Drittel der Generation stufen hier den Fachkräftemangel als größtes Risiko ein. 57 Prozent befürchten, dass Deutschland wichtige technologische Entwicklungen verschlafen könnte. Die Ängste vor der Digitalisierung sind allerdings weniger ausgeprägt, als man meinen könnte. So sagen nur 13 Prozent der Befragten, dass digitale Technologien mehr Risiken als Chancen für die deutsche Wirtschaft bedeuteten. 32 Prozent sehen es umgekehrt.

Was treibt die Bürger noch um?

Das Unbehagen über die gesellschaftliche Entwicklung. Schon bei der Befragung 2018 stuften zwei Drittel der mittleren Jahrgänge den gesellschaftlichen Zusammenhalt als schwach oder sehr schwach ein. Dieser negative Eindruck wächst. 90 Prozent der „Generation Mitte“ beklagen eine wachsende Aggressivität im Straßenverkehr, 74 Prozent gegenüber Polizisten und Rettungskräften und 54 Prozent im Internet. Zwei Drittel sagen, gute Manieren verlören an Bedeutung. Genauso viele meinen, die Menschen würden immer ungeduldiger.

Wie kam die Umfrage zustande?

Die Allensbach-Studie zur Lage der „Generation Mitte“ wird regelmäßig seit sieben Jahren im Auftrag der Versicherungswirtschaft erstellt. Für die repräsentative Erhebung wurden im Juli 1103 Frauen und Männer im Alter zwischen 30 und 59 Jahren in persönlichen Interviews befragt.