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Nur Mittagessen kostet
In Berlin zahlen Eltern ab morgen keine Kita-Gebühren mehr

Berlin. In der Bundeshauptstadt ist der Kindergarten-Besuch nun komplett kostenlos. Zahlen müssen Eltern nur noch fürs Mittagsessen – einmalig in Deutschland. kna

„Für viele Berliner Familien macht es einen großen Unterschied, ob sie Kita-Beiträge bezahlen müssen oder nicht“, sagte Jugendsenatorin Sandra Scheeres gestern in Berlin. Zugleich fördere das Land damit die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Hoch waren die Gebühren in der Bundeshauptstadt ohnehin nicht mehr: Seit 2007 schaffte Berlin die Kita-Gebühren stufenweise ab. Morgen dann also der letzte Schritt: Eltern zahlen ab 1. August nur noch für das Mittagessen. Berlin ist damit Vorreiter: Eine gebührenfreie Kita findet man in Deutschland ansonsten nicht. Die Beitragszahlungen sind von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. In rund einem Drittel der Bundesländer wird den Eltern nach wie vor kein Kita-Jahr erlassen. Und so bezahlen Mütter und Väter vielerorts bis zu mehrere hundert Euro für den Kita-Besuch im Monat.

Vorreiter in Sachen Gebührenfreiheit ist Rheinland-Pfalz. Dort gibt es die Beitragsfreiheit für Kinder ab zwei Jahren bereits seit 2010. Niedersachsen und Hessen ziehen nach. In diesen Bundesländern ist die Kinderbetreuung ab 1. August für Kinder ab drei Jahren beitragsfrei. Auch für Brandenburger Kita-Eltern ist der 1. August ein wichtiges Datum. Dort müssen Eltern zunächst für das letzte Kita-Jahr kein Geld mehr zahlen. Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern haben die kostenlose Kita zumindest auf ihrer To-do-Liste. Im Saarland wurde das kostenlose dritte Kindergarten-Jahr bereits 2000 eingeführt, 2011 allerdings wieder abgeschafft.

Besonders tief in die Tasche greifen müssen Eltern laut einer kürzlich vorgestellten Studie der Bertelsmann-Stiftung in Schleswig-Holstein. Dort beträgt der Beitrag rund neun Prozent des Haushaltsnettoeinkommens. Es folgen Mecklenburg-Vorpommern (8,2 Prozent), das Saarland (7,5 Prozent) und Thüringen (7,2 Prozent).



Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) – selbst noch vor kurzem Bürgermeisterin des Berliner Problembezirks Neukölln – fördert den Trend zur kostenfreien Kita: Das Einkommen der Eltern dürfe nicht darüber entscheiden, ob und wann Kinder eine Kindertageseinrichtung besuchen können, meinte sie kürzlich. Ihr Ministerium will in dieser Wahlperiode insgesamt 3,5 Milliarden Euro in die Tagesbetreuung für Kinder investieren. Bis zum Jahr 2022 sollen es insgesamt 5,5 Milliarden Euro sein.

Ihr Entwurf für das sogenannte Gute-Kita-Gesetz soll neben einem verbesserten Betreuungsschlüssel und einer bessere Qualifizierung der Erzieher auch dafür sorgen, dass Eltern weniger zahlen müssen. Und die Beiträge sollen gerechter werden. Denn die Bertelsmann-Studie hatte auch auf Ungerechtigkeiten hingewiesen. Demnach sind vor allem arme Eltern überproportional von hohen Gebühren belastet.

Die Studie zeigt zudem, dass ein guter Betreuungsschlüssel zu den Kernanliegen der Eltern gehört. Auch der fällt bundesweit verschieden aus. Während in Baden-Württemberg durchschnittlich drei Krippenkinder auf einen Erzieher kommen, sind es in Mecklenburg-Vorpommern etwa doppelt so viele. Womit deutlich wird, dass hohe Gebühren kein Qualitätssiegel für hochwertige Kitas sein müssen, da in dem nördlichen Bundesland die Eltern auch besonders stark zur Kasse gebeten werden.