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Fall Chaschukdschi
Der Journalismus ist der große Verlierer

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Man muss nicht Sherlock Holmes sein, um davon auszugehen, dass der saudische Journalist Dschamal Chaschukdschi tot ist. Wäre es der Regimekritiker nicht, hätte er sich längst gemeldet oder auf Aufnahmen das saudische Konsulat in Istanbul lebend verlassen. Von Friedemann Diederichs

Die Unschuldsbehauptungen der Royals in Riad klingen deshalb hohl. Und dass nun die Türkei und Saudi-Arabien in diesem Fall gemeinsam ermitteln wollen, erscheint absolut paradox. Das kommt einer Mordkommission gleich, die den mutmaßlichen Täter und Hauptverdächtigen in die Untersuchung eng einbindet und ihm auf diesem Weg zwangsläufig auch offenbart, was man weiß und was nicht.

Die Saudis können sich ein Spiel auf Zeit leisten, denn je mehr Zeit vergeht, umso geringer wird das Interesse der USA, der Türkei und auch der Bundesregierung werden, wirklich ernsthafte Konsequenzen in Betracht zu ziehen. Schon jetzt hat Donald Trump klar gemacht, dass er beispielsweise einen lukrativen Waffendeal nicht auf Eis legen wird. Sein Gerede von einer möglichen „harten Bestrafung“ ist deshalb nicht mehr als ein Lippenbekenntnis. Der Verlierer in diesem schandhaften Spiel wird einmal mehr der kritische Journalismus sein, den man hier gut erkennbar ungesühnt mundtot machen konnte.