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Vorzeitiger Ruhestand
Heimliche Mitschnitte sind Teil von Trumps Welt

Präsident Donald Trump hat in seiner Zeit als Geschäftsmann angeblich selbst oft Gespräche mitgeschnitten.
Präsident Donald Trump hat in seiner Zeit als Geschäftsmann angeblich selbst oft Gespräche mitgeschnitten. FOTO: AP / Carolyn Kaster
WASHINGTON (ap) Tapes, Tapes, Tapes: Wieder sorgen geheime Tonband-Aufzeichnungen um Donald Trump für Schlagzeilen. Mitarbeiter im Weißen Haus äußerten sich schockiert, als sie vom Vorgehen ihrer einstigen Kollegin Omarosa Manigault Newman erfuhren: Sie schnitt Gespräche mit dem Präsidenten und dessen Stabschef John Kelly mit – um sie jetzt im Zuge der Veröffentlichung eines Buches publik zu machen. Von Stefan Vetter

Aber so überraschend ist das eigentlich nicht, jedenfalls nicht in Trumps Welt: Dort sind derartige Mitschnitte nichts Neues.

Trump selber deutete beispielsweise im Frühjahr 2017 an, dass er heimlich ein Gespräch mit dem von ihm gefeuerten FBI-Chef James Comey aufgezeichnet habe. Dieser reagierte allerdings anders, als es der Präsident wohl erwartet hatte: „Lieber Gott, ich hoffe, dass es (solche) Tonbänder gibt“, sagte Comey damals. Trump machte in der Folge dann aber nichts publik, was Spekulationen auslöste, dass er in diesem Fall geblufft haben könnte – anders etwa als sein früherer privater Anwalt Michael Cohen, der Trump-Äußerungen zu Schweigegeld-Zahlungen an ein Ex-Playmate mitschnitt. Oder jetzt Manigault Newman.

Omarosa, wie sie allgemein genannt wird, war einst wie Trump ein TV-Reality-Star, wirkte in seiner früheren Show „The Apprentice“ mit. Als der Präsident im Januar 2017 ins Weiße Haus einzog, gab er ihr einen Posten als Kommunikationsdirektorin in der Abteilung Beziehungen zur Öffentlichkeit. Was genau ihre Aufgabe war, wurde nie ganz klar, aber Omarosa war die höchstrangige Afroamerikanerin in der Chefzentrale.



Im Dezember 2017 wurde sie dann gefeuert. Just ist ihr Enthüllungsbuch „Unhinged“ (übersetzt ungefähr „Aus den Angeln“) erschienen, in dem sie Trump unter anderem als notorischen Lügner und Rassisten porträtiert. Im Zuge ihrer Werbetour für das Buch veröffentlichte Manigault Newman den Mitschnitt eines Gespräches mit Kelly am Tag ihrer Entlassung. Darin wirft der Stabschef ihr „bedeutende Integritätsprobleme“ vor und sagt: „Wenn wir daraus einen freundlichen Abschied machen, kannst du ohne jede Art von Schwierigkeiten hinsichtlich deiner Reputation in die Zukunft gehen.“

In einer weiteren Aufzeichnung, die nach ihren eigenen Angaben einen Tag später entstand, ist Trump zu hören. Er äußert sich scheinbar überrascht und enttäuscht von ihrem Ausscheiden und fügt hinzu: „Niemand hat mir etwas davon gesagt (...) Ich habe es überhaupt nicht gern, dass du gehst.“

Manigault Newman verteidigt die geheimen Mitschnitte damit, dass ihr „sonst niemand glauben“ würde. Was nicht so abwegig ist, wenn man etwa bedenkt, dass sie früher ein glühender Trump-Fan war, sich mit Lob für ihn überschlug – im krassen Gegensatz zu ihrem Buch.

Bei ihrem Bestreben, sich durch Gesprächsmitschnitte abzusichern, hat Manigault Newman wohl in Trump selbst ein prominentes Vorbild. Er hat jedenfalls den Ruf, während seiner Zeit als Immobilien-Geschäftsmann rege und heimlich Gespräche aufgezeichnet zu haben. Dennoch äußerte der Präsident Schock und Abscheu, nachdem sein Ex-Anwalt Cohen unlängst Ausschnitte aus einem Gespräch mit ihm veröffentlicht hatte. Aber vielleicht sind solche heimlichen Maßnahmen eine Realität in Trumps Zeiten – und wer weiß, was alles noch kommt. So sagte der stellvertretende Sprecher des Weißen Hauses, Hogan Gidley, dem Sender Fox News, die Medien hätten Omarosa nie ernst genommen, bis sie die Tonbänder veröffentlicht habe. Nun sei er besorgt: „Ich frage mich, ob sie auch etwas von dem aufgezeichnet hat, worüber wir gesprochen haben.“