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Landtagswahl in Bayern
Verkehrte Welt im rot-grünen Lager

Die Grünen-Bundespolitiker Robert Habeck (li.) und Anton Hofreiter freuten sich in München über das Ergebnis ihrer bayerischen Parteifreunde.
Die Grünen-Bundespolitiker Robert Habeck (li.) und Anton Hofreiter freuten sich in München über das Ergebnis ihrer bayerischen Parteifreunde. FOTO: AP / Kerstin Joensson
Berlin. Die Ökopartei triumphiert auch in Bayern, die Sozialdemokratie ist endgültig im Keller. Von Werner Kolhoff

Annalena Baerbock hat noch nicht viel Erfahrung im Kommentieren von Wahlergebnissen. Bayern ist die erste Landtagswahl, seit sie Grünen-Chefin ist. Vielleicht verhaspelte sie sich deshalb in der Parteizentrale in Berlin, als sie kurz nach Bekanntgabe der ersten Hochrechnungen „Ludwig Erhard“ dankte, dem früheren CDU-Kanzler. Und nicht dem bayerischen Spitzenkandidaten Ludwig Hartmann. Bei einem Desaster hätte man in jeder Partei jetzt wohl gedacht: Auch das noch. Stattdessen wurde gelacht.

In der Ökopartei herrschte an diesem Abend gute Laune von Nord bis Süd. Überschwänglich wie immer Claudia Roth, die sich natürlich nach München begeben hatte; sie stammt aus dem Freistaat. „Das ist ein historisches Ergebnis“, rief sie in jede Kamera. Wenn ein Urgestein der Partei wie sie das sagt, dann auch die Jüngeren: „Danke für dieses historische Ergebnis“, rief eine etwas überdrehte Spitzenkandidatin Katharina Schulze der Basis auf der Münchener Wahlparty zu. Zurückhaltender war das grüne Spitzenpersonal allerdings bei der Frage, wie es weitergeht, vor allem, ob man nun mitregieren will. Robert Habeck, Co-Vorsitzender der Bundespartei, antwortete ausweichend. „Wichtig ist, dass es nicht einfach weiter so geht“, sagte er.

Ungefähr die gegenteilige Stimmung herrschte bei den Sozialdemokraten. Schon im benachbarten Baden-Württemberg haben ja die Grünen die SPD deklassiert, nun auch im Freistaat. Bei der Wahlparty in München mochte man sich noch nicht einmal über die schlechten Zahlen der CSU freuen. Ex-Oberbürgermeister Christian Ude gab die Tonlage vor: „Die SPD befindet sich offensichtlich im freien Fall“, sagte er. „Hier sind gründliche Konsequenzen erforderlich.“



Aber welche? Gründlich analysieren werde man die Ursachen, sagte Spitzenkandidatin Natascha Kohnen in München. Das meinte auch Parteichefin Andrea Nahles in Berlin, die noch hinzufügte: „Auf allen Ebenen.“ Also auch in der Bundespartei. Im Willy-Brandt-Haus herrschte gespenstische Leere, die Sozialdemokraten hatten erstmals auf eine Wahlparty verzichtet. Angeblich aus Kostengründen. Ein paar Kamerateams warteten auf Auftritte der Führung. Nahles gab zu, dass es für Bayern „keinen Rückenwind aus Berlin gegeben hat, im Gegenteil“. Sie führte das auf den Streit zwischen den Schwesterparteien CDU und CSU zurück, der das Handeln der großen Koalition überlagert habe. „Davon haben wir uns nicht lösen können“, fand Nahles.

Ein kleines Trösterchen gab es für die Linken. Zwar reichte es wieder nicht für den Einzug in den Landtag, aber man legte immerhin bei der Zahl der Stimmen deutlich zu. In Berlin sah der Vorsitzende Bernd Riexinger daher „keinen Grund für die Linken in Bayern, jetzt in Sack und Asche zu gehen“.