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Integrationsbarometer
Große Mehrheit sieht Zuwanderer als Bereicherung

Die Integrationsbeauftragte der Bundes­regierung, Annette 
Widmann-Mauz.
Die Integrationsbeauftragte der Bundes­regierung, Annette Widmann-Mauz. FOTO: dpa / Soeren Stache
Berlin. Die Menschen in Deutschland haben ein überwiegend positives Bild vom Zusammenleben mit Miganten. Die Mehrheit ist aber laut einer Studie für eine Begrenzung der Zuwanderung.

Trotz scharfer Debatten über Probleme im Zusammenhang mit Zuwanderung sind die Deutschen einer Studie zufolge mehrheitlich optimistisch beim Thema Integration. Eine Mehrheit findet, dass Flüchtlinge positiv zur wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands beitragen werden, wie aus dem gestern in Berlin vorgestellten Integrationsbarometer des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration hervorgeht. Ebenfalls eine Mehrheit ist dafür, dass Deutschland weiterhin Flüchtlinge aufnimmt. Gleichzeitig ist eine Mehrheit von 57 Prozent der Deutschen ohne Migrationshintergrund für eine Begrenzung der Zahl der Zuwanderer. Skeptischer als andere blicken Ostdeutsche und Männer im Westen Deutschlands auf das Thema Integration.

Für das Integrationsbarometer haben die Forscher den Angaben zufolge zwischen Juli 2017 und Januar 2018 rund 9300 Personen mit und ohne Migrationshintergrund bundesweit befragt. Anhand verschiedener Kriterien misst die Studie den sogenannten Integrationsklima-Index auf einer Skala von null bis 100. Gefragt wird etwa nach der allgemeinen Akzeptanz von Zuwanderern, Integration im Bildungsbereich oder Beziehungen zwischen Zuwanderern und Mehrheitsgesellschaft. 2018 ist der Index leicht auf 63,8 Punkte gesunken, 2015 lag er noch bei 65,4 Prozent.

Dass die Diskussion über Flüchtlinge den gesellschaftlichen Zusammenhalt nachhaltig gefährdet habe, sei aus den Ergebnissen nicht herauszulesen, sagte der Vorsitzende des Sachverständigenrats, Thomas Bauer. Das Integrationsklima sei stabil positiv, deutet er den Wert. „Es läuft im Alltag recht gut“, ergänzte Studienautorin Claudia Diehl.



Die Experten machen vor allem einen Grund für eine skeptische Haltung aus: mangelnden Kontakt zu Zuwanderern. Dies gelte im Osten wie im Westen. Im Osten wirke der Effekt aber verstärkt, weil Erfahrungen mit ethnischer Vielfalt dort die Ausnahme seien.

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz (CDU), erklärte mit Blick auf die Studie, es sei deswegen wichtig, Orte der Begegnungen zu schaffen – in Vereinen, der Nachbarschaft oder am Arbeitsplatz. Zudem forderte sie, interkulturelle Bildung bei der Lehrerausbildung stärker in den Blick zu nehmen.

Diakonie-Präsident Ulrich Lilie macht Verunsicherung als einen Grund für die derzeitige, polarisierte Stimmung aus. „Chemnitz, Köthen und viele andere Orte in Deutschland, über die nicht geredet wird, sind Symptome für eine verunsicherte Gesellschaft, die aktuell um ihre Zukunft streitet, besser gesagt eine neue gemeinsame Zukunft sucht“, findet er.