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Nach Spitzentreffen
Die Koalition streitet weiter um die Rente

Berlin. Ein Spitzentreffen im Kanzleramt endete ohne konkrete Ergebnisse. Jetzt wollen Union und SPD möglichst rasch ihre Konflikte lösen. Von Hagen Strauss

Olaf Scholz (SPD) zeigte sich gestern im Haus der Bundespressekonferenz bester Laune. Als der Vizekanzler und Finanzminister nach den Ergebnissen seines Treffens mit Angela Merkel (CDU) und Horst Seehofer (CSU) am Abend zuvor im Kanzleramt gefragt wurde, meinte er grinsend: „Das Einzige, was ich Ihnen mitteilen möchte, ist: Es gab Cordon Bleu und Pommes frites.“

Während am Samstag die letzten Besucher des Tags der offenen Tür in der Regierungszentrale und den Ministerien von dannen zogen, saßen die drei Spitzen der Koalition hinter verschlossenen Türen zusammen. Nichts Besonderes, wie Scholz demonstrativ anmerkte. Er unterhalte sich ständig mit Merkel und Seehofer. Auch habe man „ganz locker“ verabredet, sich nach dem Urlaub zu treffen. Das sei am Samstag der Fall gewesen. „Und wir sagen auch nicht, was wir gemacht haben.“

Kein Wunder. Denn bei zentralen Streitpunkten innerhalb des schwarz-roten Bündnisses – den Verbesserungen bei der Rente und Entlastungen beim Arbeitslosenbeitrag – gab es offenbar noch keine Annäherung. Auch ging es dem Vernehmen nach nicht ganz so „locker“ zu, wie Scholz vorgab. Regierungssprecher Steffen Seibert betonte jedenfalls, bei dem Treffen sei es um die Zukunft der Rente, aber auch um die Arbeitsmarkt- und Baupolitik gegangen – sozusagen um einen Meinungsaustausch ohne abschließende Entscheidungen. „Das wird in Kürze geschehen. Die Gespräche gehen weiter.“



Die Koalition streitet derzeit über das Rentenpaket von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD), in dem eine Sicherung des Rentenniveaus bis 2025 festgeschrieben ist. Der bereits für vergangenen Mittwoch erwartete Kabinettsbeschluss verzögerte sich wegen der Debatte um eine Absenkung des Arbeitslosenversicherungsbeitrags. Die Union möchte dies mit dem Rentenpaket verknüpfen. Ob das Vorhaben nun diesen Mittwoch ins Kabinett kommt, war gestern offen. Konkret sind Verbesserungen bei der Mütterrente, für Erwerbsminderungsrentner sowie Entlastungen von Geringverdienern bei den Sozialbeiträgen geplant. Zudem soll das Rentenniveau von 48 Prozent bis 2025 stabilisiert werden. Gestritten wurde zuletzt, wie die Verbesserungen bei der Mütterrente gestaltet werden sollen. Und ob die geplante Senkung des Arbeitslosenbeitrags mit dem Rentenpaket verbunden werden sollte. Die Union will eine kräftigere Senkung zum 1. Januar 2019 als um die vereinbarten 0,3 Punkte auf 2,7 Prozent des Bruttolohns. Heil kann sich das vorstellen, knüpft es aber an Bedingungen. So sollten etwa kleine und mittlere Unternehmen bei Investitionen in die Weiterbildung unterstützt werden.

Darüber hinaus plagt noch ein zweiter Rentenstreit die Koalition: Scholz verteidigte gestern seinen Vorstoß für Garantien bis 2040, was von der Union jedoch abgelehnt wird. Sie pocht darauf, die Ergebnisse der Rentenkommission abzuwarten. CSU-Chef Seehofer versuchte gestern zu beschwichtigen. Die große Koalition werde „jetzt Woche für Woche wichtige Entscheidungen bei der Rente, bei der Arbeitslosenversicherung, bei der Mietpreisentwicklung, beim Fachkräftezuwanderungsgesetz“ fällen, sagte der Innenminister im ZDF. Auch die Kanzlerin zeigte sich in der ARD optimistisch. „Wir sind auf einem sehr guten Weg“, versicherte sie. Sie wolle auch die Fraktionsspitzen einbeziehen. Morgen ist daher offenbar ein Abendessen mit Andrea Nahles (SPD), Volker Kauder (CDU) und Alexander Dobrindt (CSU) geplant.