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Pädagogen unter Druck
Gewalt an Schulen nimmt immer mehr zu

Udo Beckmann, Vorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE).
Udo Beckmann, Vorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE). FOTO: Hendrik Schmidt / picture alliance / dpa
Berlin. Drohen, Schimpfen, Schlagen: Lehrer werden immer häufiger Opfer von Gewalt im Klassenzimmer. Selbst Grundschüler werden laut einer neuen Umfrage reihenweise auffällig.

(dpa) An etwa jeder dritten Grundschule in Deutschland sind Lehrerinnen und Lehrer binnen fünf Jahren laut einer neuen Studie körperlich angegriffen worden. Dies berichteten Schulleiter, wie aus einer gestern in Berlin vorgestellten Umfrage des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) hervorgeht. Über alle Schulformen hinweg berichtete rund jede vierte Schulleitung von Fällen körperlicher Gewalt gegen Lehrkräfte.

Sogar fast die Hälfte der Schulleitungen (48 Prozent) gab an, dass es an ihrer Schule in den vergangenen fünf Jahren Fälle von „psychischer Gewalt“ gab – also Fälle, bei denen Lehrkräfte direkt beschimpft, bedroht, beleidigt, gemobbt oder belästigt wurden. Fälle von Mobbing, Diffamierung und Belästigung über das Internet gab es laut Studie an jeder fünften Schule.

Beschimpfungen, Bedrohungen und Beleidigungen waren an Haupt-, Real- und Gesamtschulen am häufigsten (59 Prozent), gefolgt von Grundschulen (46 Prozent) und Gymnasien (33 Prozent). Von Online-Mobbing waren 36 Prozent der Haupt-, Real- und Gesamtschulen betroffen, jedes dritte Gymnasium und 13 Prozent der Grundschulen. Körperliche Angriffe verzeichneten 32 Prozent der Grundschul-Leitungen, 12 Prozent jener von Haupt-, Real- und Gesamtschulen und 4 Prozent der Leitungen von Gymnasien.



Ein Beispiel aus Nordrhein-Westfalen: Als Andreas F. in seine neue Klasse in der Brennpunkt-Grundschule kam, sagte ihm ein Schüler gleich in der ersten Stunde, was Sache ist, wie F. der Deutschen Presse-Agentur erzählte. Kaum hatte F. die Schüler gebeten, die Hausaufgaben aufzuschreiben, schallte es ihm entgegen: „Alter, davon träumst du. Mein einer Bruder sitzt im Knast, der zweite in der psychiatrischen Anstalt und den dritten sucht die Polizei. Wenn ich einen davon rufe, bist du so klein mit Hut.“

Schwere Vorwürfe erhebt der VBE-Vorsitzende Udo Beckmann gegen die zuständigen Landesregierungen. Die Bildungsministerien verbreiteten vielfach immer noch das „Märchen“, es handele sich nur um Einzelfälle. Viel zu lange habe Angst vor Reputationsverlust zu einer „Kultur des Schweigens“ geführt, so der Chef der Lehrergewerkschaft.

So halten 39 Prozent der Schulleitungen das Thema Gewalt gegen Lehrer für ein Tabu-Thema an Deutschlands Schulen. 46 Prozent hingegen meinen, es werde an den Schulen offen damit umgegangen.

Aufschluss über die Gründe für Gewalt gibt die Studie nicht. Beckmann meinte, Kinder brächten entsprechende Verhaltensmuster von Zuhause mit. „Wenn sich Eltern selbst so verhalten, dass sie ihre Forderungen gegenüber anderen mit gewalttätiger Sprache oder körperlicher Gewalt durchsetzen, müssen sie sich nicht wundern.“

(dpa)