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Statistisches Bundesamt legt Zahlen vor
Fast jeder Vierte hat ausländische Wurzeln

Wiesbaden. Nie gab es mehr Menschen mit ausländischen Wurzeln in Deutschland. Experten sind nicht überrascht und warnen vor Ausgrenzung.

(dpa) In Deutschland hat fast jeder Vierte (23,6 Prozent) ausländische Wurzeln. Mit rund 19,3 Millionen Menschen hat der Anteil der Bevölkerung mit einem Migrationshintergrund im vergangenen Jahr einen neuen Höchststand erreicht. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden gestern weiter mitteilte, wuchs die Zahl der Menschen mit ausländischen Wurzeln im Vergleich zu 2016 um 4,4 Prozent.

Eine Person hat einen Migrationshintergrund, wenn sie selbst oder mindestens ein Elternteil nicht mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren wurde. Der Anstieg im vergangenen Jahr ist vor allem auf die wachsende Zahl der Ausländer zurückzuführen. Rund 51 Prozent der Bevölkerung mit Migrationshintergrund sind Deutsche, etwa 49 Prozent haben einen ausländischen Pass. Im Jahr 2011 hatte deren Anteil noch bei 42 Prozent gelegen.

Für Experten sind die neuen Zahlen nicht überraschend. Die Erlanger Politikwissenschaftlerin Petra Bendel verweist darauf, dass nach den Ausnahmejahren 2015/2016 die Zuwanderung aus EU-Ländern wieder am stärksten sei. „Deutschland braucht angesichts des demografischen Wandels auch Einwanderung“, sagt die Professorin, die dem Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration angehört. Ein die Einwanderung steuerndes Gesetz könne nach außen und vor allem auch nach innen ein wichtiges „Signal“ setzen.



„Es ist ökonomischer Wahnsinn, dass wir gut integrierte und ausgebildete Menschen, die ihren Lebensunterhalt selbst verdienen, außer Landes bringen müssen, weil die Union ein modernes Einwanderungsrecht nach wie vor blockiert“, sagte der stellvertretende FDP-Chef Wolfgang Kubicki. Der Chef des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Oliver Zander, betonte: „Die Situation ist deshalb so absurd, weil Deutschland immer noch nicht zwischen Asyl, Flüchtlingen und Fachkräftezuwanderung unterscheidet. Dafür brauchen wir das Gesetz.“

Von den 19,3 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund hatten rund 2,8 Millionen (14 Prozent) türkische Wurzeln. elf Prozent hatten einen polnischen, sieben Prozent einen russischen, sechs einen kasachischen und vier Prozent einen rumänischen Hintergrund. Die Zahlen beruhen auf dem Mikrozensus, einer Stichprobenerhebung unter deutschen Haushalten.

Angesichts der neuen Integrationsdebatte nach dem Rücktritt von Mesut Özil aus der Fußball-Nationalmannschaft warnt Bendel davor, die Millionen von Menschen mit ausländischen Wurzeln mit Begriffen wie etwa „Passdeutsche“ bewusst auszugrenzen.

(dpa)