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Dutzende Festnahmen
Falsche Polizisten zocken auch in Rheinland-Pfalz viele Senioren ab

Osnabrück/Koblenz. Sie gaben sich als Polizisten aus und brachten mit der Verbreitung von Angst meist ältere Leute um ihr Geld. Dutzende dieser Betrüger wurden nun in NRW und in der Türkei festgenommen.

Mit der Masche „falscher Polizist“ hat ein international agierendes Netzwerk von mehr als 70 Kriminellen nach Ermittlerangaben vor allem Senioren abgezockt. Es seien über einen längeren Zeitraum bundesweit Bargeld und Wertgegenstände in Millionenhöhe erbeutet worden, berichtete die Polizei in Osnabrück. Nach aufwendigen Ermittlungen nahmen die Ermittler am Mittwoch in Nordrhein-Westfalen und in der Türkei insgesamt 28 Tatverdächtige fest. Darunter waren auch die mutmaßlichen Haupttäter der Bande. Bei den Razzien stellten die Beamten auch Geld und Schmuck sicher.

Die mutmaßlichen Bandenmitglieder sollen ihre Opfer um insgesamt mehr als drei Millionen Euro betrogen haben. Anrufer, die sich als Polizeibeamte ausgaben, sprachen demnach von einer angeblichen Diebesbande in der Umgebung, schilderte Sprecher Marco Ellermann von der Polizeidirektion Osnabrück. Geld und Wertsachen würden abgeholt zur sicheren Aufbewahrung, gaben die Betrüger vor. Zur Abholung kam ein Komplize. Die Täter seien psychologisch geschickt vorgegangen.

Bei der Betrugsmasche spielten Call-Center eine wichtige Rolle, von denen viele laut Polizei von der Türkei aus betrieben wurden. Dort fanden die Razzien in Antalya und Istanbul statt – und dort wurden auch die mutmaßlichen Drahtzieher und Haupttäter gefasst. Die Bande soll für rund 100 Taten in zehn Bundesländern verantwortlich sein, mit Schwerpunkten in NRW, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz. Auch in Schleswig-Holstein, Hamburg, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Hessen, Bayern und Baden-Württemberg soll sie aktiv gewesen sein.



In NRW wurden 19 Wohnungen und Geschäftsräume – etwa in Köln, Bochum, Münster und Dortmund – durchsucht. Dabei gab es vier Festnahmen, unter anderem in Rheine und in Datteln. Zwei Männer mit deutschem und zwei mit türkischen Pass seien in NRW ins Netz gegangen. In der Türkei wurden den Angaben der deutschen Ermittler zufolge 24 Personen festgenommen. Bei den Razzien hat die Polizei unter anderem auch hochpreisige Fahrzeuge, einen fünfstelligen Geldbetrag, Schmuck im Wert von 30 000 Euro sowie eine Schusswaffe beschlagnahmt.

Den Anfang hatten die Ermittlungen in Osnabrück mit einem Hinweis aus der Bevölkerung im September 2018 genommen. Dabei gab es drei Festnahmen. Nach weiteren Festnahmen und ersten Strafprozessen wurde im April 2019 von der niedersächsischen Polizei eine Sondereinheit gegründet, um die Hintermänner aufzuspüren. An den Ermittlungen ist auch die Staatsanwaltschaft in Koblenz beteiligt.

(dpa)