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Drängen auf Aufklärung
Neue Gerüchte im Fall Khashoggi

Ein Sicherheitsmitarbeiter der Residenz des saudischen Konsuls in Istanbul wies gestern die Medienvertreter zurück. Die Residenz wurde auf Hinweise im Fall des verschwundenen Journalisten Jamal Khashoggi durchsucht.
Ein Sicherheitsmitarbeiter der Residenz des saudischen Konsuls in Istanbul wies gestern die Medienvertreter zurück. Die Residenz wurde auf Hinweise im Fall des verschwundenen Journalisten Jamal Khashoggi durchsucht. FOTO: AP / Emrah Gurel
Istanbul. Während die Politik auf Aufklärung dringt, skizzieren Medien weiter die Ermordung des Reporters. dpa

Wegen der Affäre um den mutmaßlich im Istanbuler Konsulat ermordeten saudischen Journalisten Jamal Khashoggi legt Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) Reisepläne nach Saudi Arabien vorerst auf Eis. Maas sagte gestern in Berlin, er wolle die Ermittlungen und ein mögliches Statement von Riad abwarten. Der Fall müsse unverzüglich und lückenlos aufgeklärt und Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen werden, fordert er. „Die Vorwürfe, die im Raum stehen, sind gravierend bis verstörend, muss man ja fast sagen“, sagte Maas. „Wir wollen wissen, was dort geschehen ist.“

US-Außenminister Mike Pompeo sagte der Türkei nach einem Treffen mit seinem türkischen Amtskollegen Mevlüt Cavusoglu und Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan Unterstützung bei der Aufklärung zu. Während die türkischen Behörden auch rund zwei Wochen nach dem Verschwinden Dschamal Chaschukdschis (der sich als Journalist Jamal Khashoggi nennt) noch kein Ermittlungsergebnis vorgelegt haben, tauchen in einer türkischen Zeitung weitere Details zu einem mutmaßlichen Mord im Konsulat auf. Die Informationen konnten jedoch nicht verifiziert werden. Die saudische Führung beteuert ihre Unschuld.

Khashoggi war am 2. Oktober in der Türkei in das saudische Konsulat gegangen, um dort Papiere für seine geplante Hochzeit abzuholen. Seitdem ist er verschwunden. Die türkischen Behörden gehen davon aus, dass der Journalist im Konsulat von einem aus Saudi-Arabien angereisten 15-köpfigen Spezialkommando getötet wurde. Der „New York Times“ zufolge führen Spuren ins direkte Umfeld des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman.



Die türkischen Behörden sollen auch im Besitz kompromittierender Ton- und Videoaufnahmen sein. Die regierungsnahe Zeitung „Yeni Safak“ berichtete gestern, auch sie besitze eine Tonaufnahme. Das saudische Spezialkommando habe dem Regimekritiker bei einem Verhör die Finger abgeschnitten und ihn dann enthauptet, hieß es in dem Bericht. In der Aufnahme sei auch der saudische Konsul Mohammed al-Utaibi zu hören, der demnach sagte: „Macht diese Sache draußen. Ihr werdet mir Probleme bereiten.“ Eine andere Stimme habe daraufhin gesagt: „Wenn Du leben willst, wenn Du nach Saudi-Arabien zurückkehrst, dann sei still.“ Die Informationen des Blattes, das für reißerische Artikel bekannt ist, sind aber mit Vorsicht zu genießen.

Die türkischen Behörden erhoffen sich durch die gestrige Durchsuchung der Konsulatsresidenz weitere Erkenntnisse. Das Konsulat selbst war bereits am Montag neun Stunden lang inspiziert worden. „Jeder soll auf das Ergebnis der Ermittlung warten“, sagte Innenminister Süleyman Soylu der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu. Er selbst habe „Gewissheit“ über das Schicksal Khashoggis, sagte er weiter. Er könne aber vor Abschluss der Ermittlungen nichts dazu sagen.