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Vermisster Journalist
Spurensuche im Fall Chaschukdschi

Das saudische Konsulat in Istanbul: Hier verschwand der Regierungskritiker Chaschukdschi. Gestern durchsuchten Ermittler die Botschaft.
Das saudische Konsulat in Istanbul: Hier verschwand der Regierungskritiker Chaschukdschi. Gestern durchsuchten Ermittler die Botschaft. FOTO: dpa / Petros Giannakouris
Istanbul. Im Fall des verschwundenen Journalisten setzen die USA und Saudi-Arabien offenbar auf Aufklärung. Doch Fragen bleiben. ap/dpa

Spurensuche mit Verspätung: Saudi-Arabien und die Türkei haben sich auf eine Durchsuchung des Konsulats in Istanbul nach Spuren des verschwundenen saudi-arabischen Journalisten Dschamal Chaschukdschi geeinigt. Knapp zwei Wochen nachdem Chaschukdschi dort zuletzt gesehen wurde, werde die Einrichtung von Vertretern beider Länder „inspiziert“, hieß es gestern aus den türkischen Außenministerium. US-Präsident Donald Trump telefonierte wegen der Affäre mit dem saudischen König Salman. Der Ton zwischen beiden Ländern hatte sich wegen der Affäre zuletzt verschärft.

Chaschukdschi wird seit Anfang Oktober vermisst. Zuletzt war er auf Videoaufnahmen beim Betreten des saudi-arabischen Konsulats in Istanbul gesehen worden. Türkische Behörden befürchten, dass saudische Agenten den Journalisten getötet und zerstückelt haben. Riad weist das als unbegründete Behauptung zurück.

Gestern betrat ein saudi-arabisch-türkisches Team das Konsulat. Die Ermittler suchten vor allem nach DNA-Spuren, berichtete der Sender CNN Türk. Eine Durchsuchung des Konsulats durch türkische Beamte ist ein ungewöhnlicher Schritt, weil diplomatische Vertretungen nach der Wiener Konvention von den Gastgeberstaaten technisch wie Ausland behandelt und geschützt werden müssen. Die Zustimmung Saudi-Arabiens könnte ein Versuch sein, westliche Kritik am Verschwinden Chaschukdschis zu besänftigen.



Trump hatte Riad im Streit um den verschwundenen Journalisten, der in den USA im Exil gelebt hatte, „schlimme Strafen“ angedroht. Sein Wirtschaftsberater Larry Kudlow wollte nicht sagen, was Trump damit gemeint habe und sprach von „strengen Aktionen“, falls dies nötig sei. Einen Stopp von US-Waffengeschäften mit Saudi-Arabien lehnt Trump mit der Begründung ab, dass sich die USA damit selbst bestrafen würden. Deutschland, Großbritannien und Frankreich verlangten unterdessen eine glaubwürdige Untersuchung zum Verschwinden Chaschukdschis.

Auch innerhalb der USA stieg der Druck: Die republikanischen Senatoren Marco Rubio und Jeff Flake sagten, falls Trump nicht aktiv werde, könne der Senat die Initiative ergreifen. Womöglich müssten die Beziehungen der USA zu Saudi-Arabien „vollständig überdacht“ werden, sagte Rubio.

Salman telefonierte am Sonntag mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und am Montag mit Trump. Salman habe jede Kenntnis über Chaschukdschis Verschwinden entschieden bestritten, sagte Trump anschließend vor Reportern. „Er wusste es wirklich nicht. Vielleicht, ich will nicht in seine Gedanken eindringen, aber für mich klang es wie, vielleicht könnten es skrupellose Mörder gewesen sein. Ich meine, wer weiß es“, sagte Trump. „Wir werden der Sache sehr schnell auf den Grund gehen, aber das war ein glattes Dementi.“ Trump kündigte an, Außenminister Mike Pompeo solle mit Salman über Chaschukdschi sprechen. Pompeo wird vermutlich Saudi-Arabien und die Türkei bereisen.

Saudi-Arabien hat sich Drohungen und Unterminierungsversuche indes verbeten. Das Königreich werde auf etwaige Handlungen entsprechend stärker reagieren – das Land habe Einfluss auf die globale Wirtschaft, hieß es in einer Stellungnahme vom Sonntag. Der Sender Al-Arabija berichtete, Saudi-Arabien könne seine Ölförderung als Waffe benutzen.