| 23:21 Uhr

Die meisten Kunden wissen nicht, ob sie betroffen sind
EU rügt Ryanair wegen Flugstreichungen

Brüssel/London. Die Brüsseler Kommission fordert den irischen Billigflieger auf, die Rechte der betroffenen Kunden „in vollem Umfang“ zu respektieren.

Angesichts der zahlreichen Flugausfälle beim irischen Billigflieger Ryanair in ganz Europa haben EU-Kommission und britische Regierung die Airline gerügt. Die Kommission in Brüssel forderte Ryanair auf, die Kundenrechte „in vollem Umfang“ zu respektieren, London verlangte bessere Informationen für die Kunden. Schuld an den vielen Streichungen ist laut Ryanair unter anderem eine chaotische Urlaubs­planung – der Pilotenvereinigung Cockpit zufolge aber auch ein Mangel an Flugkapitänen.

EU-Kommissarin Violeta Bulc erklärte gestern, dank der EU hätten Flugpassagiere bei Verspätungen und Ausfällen ein Recht auf Entschädigung. Brüssel stehe in Kontakt zu Ryanair, „und wir erwarten, dass sie diese Rechte voll umsetzen“. Die nationalen Behörden seien zuständig für die Kontrolle.

Der für Luftfahrt zuständige Staatssekretär Martin Callanan in London mahnte: „Wir erwarten, dass alle Airlines alles in ihrer Macht Stehende tun, die Kunden weit im Voraus über Reiseunterbrechungen zu informieren.“



Ryanair hatte zuvor bekanntgegeben, dass in den kommenden sechs Wochen bis zu 2100 Flüge ausfallen werden – pro Tag 40 bis 50. Die meisten Kunden wissen aber nicht, ob ihr Flug gestrichen wird oder nicht: Auf seiner Internetseite listete der irische Billigflieger bislang nur die gestrichenen Flüge bis Mittwoch­abend auf. Rory Boland von der britischen Verbraucherschutzgruppe „Which?“ erklärte, es sei „zentral“, dass Ryanair die ganze Liste publik mache, damit Kunden noch rechtzeitig umplanen könnten.

Ryanair bietet betroffenen Passagieren eine Umbuchung oder Entschädigung an – ausnahmsweise ohne Extragebühren. Die Fluggesellschaft erklärte die Ausfälle mit Kapazitätsengpässen bei der Flugkontrolle, Streiks in Frankreich und einer chaotischen Urlaubsplanung im Unternehmen. Viele Piloten und Kabinenpersonal müssten in den kommenden sechs Wochen ihren Jahresurlaub nehmen. Zum Start des Winterflugplans im November werde sich die Lage wieder normalisieren. Betroffen seien „weniger als zwei Prozent der Verbindungen“.

Britischen Berichten zufolge kämpft Ryanair aber auch mit Pilotenmangel, weil viele Kapitäne von der Konkurrenzairline Norwegian abgeworben worden seien. Der Sprecher der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC), Markus Wahl, bestätigte: „Ryanair-Mitarbeiter sagen uns, es werden Flüge gestrichen, weil Piloten das Weite suchen“, sagte er der „Mitteldeutschen Zeitung“. Ryanair habe eine hohe personelle Fluktuation, weil die Airline niedrigere Gehälter zahle als die Wettbewerber.