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Ökonomen warnen vor Flickenteppich von Zeitzonen
Brüssel will Zeitumstellung abschaffen

Der Chef der EU-Kommission, Jean-Claude Juncker.
Der Chef der EU-Kommission, Jean-Claude Juncker. FOTO: dpa / Virginia Mayo
Berlin/Brüssel. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker will den Wechsel von Sommer- und Winterzeit abschaffen. Entsteht jetzt ein neuer Flickenteppich von Zeitzonen in Europa?

In die seit Jahren geführte Debatte über eine Abschaffung der Zeitumstellung kommt Bewegung: EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker kündigte am Freitag an, den Mitgliedstaaten und dem Europaparlament ein Ende des Wechsels zwischen Winter- und Sommerzeit zu empfehlen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schloss sich der Forderung an und auch aus dem EU-Parlament kam Unterstützung. Ökonomen warnten allerdings vor einem Flickenteppich aus unterschiedlichen Zeitzonen in der EU.

Die EU-Kommission werde eine Empfehlung für die Abschaffung der Zeitumstellung beschließen, kündigte Juncker an. Er verwies auf das Ergebnis einer europaweiten, nicht-repräsentativen Online-Befragung, bei der sich eine große Mehrheit gegen die Zeitumstellung ausgesprochen hatte. Es mache schließlich „keinen Sinn, Menschen zu fragen, was sie denken“, und dies dann nicht umzusetzen.

Juncker hob hervor, dass nach der Empfehlung der EU-Kommission die Mitgliedstaaten und das Europaparlament grünes Licht für eine Abschaffung der Zeitumstellung geben müssten. „So wird das auch kommen“, prophezeite Juncker.



EU-Verkehrsministerin Violetta Bulc sprach von einer klaren Botschaft. Die Kommission werde EU-Parlament und Europäischem Rat daher eine Gesetzesvorlage zur Abschaffung der Zeitumstellung vorlegen. Ob sie komplett auf die Sommerzeit oder Winterzeit umsteigen, sollen die Mitgliedsstaaten selbst entscheiden, wie ein EU-Sprecher ausführte.

Merkel sagte während ihres Nigeria-Besuchs, auch für sie habe ein Ende der Zeitumstellung „eine sehr hohe Priorität“. Sie freue sich, dass die EU-Kommission das Ergebnis der europaweiten Umfrage dazu ernst nehme. Nun „sollte etwas daraus folgen“, forderte die Kanzlerin.

Das Europaparlament hatte im Februar von der Kommission eine Überprüfung der Zeitumstellung gefordert und verwies auch auf Studien, wonach die Sommerzeit „negative Folgen für die Gesundheit der Menschen“ haben könne.

Die Kommission befragte die EU-Bürger vom 4. Juli bis 16. August in einer nicht-repräsentativen Online-Umfrage. Nach vorläufigen Ergebnissen sprachen sich 84 Prozent der rund 4,6 Millionen Teilnehmer für die Abschaffung der Zeitumstellung aus. Auch Behördenvertreter, Unternehmen und Verbände durften sich beteiligen.

Einem Zeitungsbericht zufolge stammten gut drei Millionen Teilnehmer aus Deutschland. Die EU-Kommission bestätigte, dass die Beteiligung der Deutschen mit 3,79 Prozent der Einwohner am höchsten gewesen sei.