| 22:04 Uhr

Hartz-IV-Aussage
Etwas mehr Demut wäre angebracht

Minister Jens Spahn

Jens Spahn, der neue Gesundheitsminister, sollte etwas vorsichtiger sein mit seinen schnoddrigen Bemerkungen über Hartz IV und seine Bezieher. Ich möchte ihm eine Gegenrechnung aufmachen.

Der auf Hartz IV angewiesene Haushaltsvorstand einer vierköpfigen Familie bekommt vom Staat sagen wir mal rund 2000 Euro pro Monat von seinem Jobcenter. 20 Prozent davon bekommt der Fiskus über die Mehrwertsteuer wieder zurück – verbleiben also 1600 Euro, mit denen der Hartzer der Gesellschaft auf der Tasche liegt.

Jetzt nehmen Sie mal ein Arzt-Ehepaar mit zwei Kindern, das mit den beiden zweimal im Monat ins Staatstheater geht. Jede Eintrittskarte subventioniert der Staat mit durchschnittlich hundert Euro – macht 800 Euro Staatsknete für unser gut verdienendes Ehepaar.



Jetzt gehen deren beider Kinder vermutlich vier Jahre länger auf die Schule als die Kinder jenes Hartz-IV-Haushaltsvorstands. Das lässt sich der Fiskus noch einmal runde 50 000 Euro kosten. Und wenn dann die beiden Einser-Abiturienten anschließend Medizin studieren, dann ist das der Solidargemeinschaft der Steuerzahler noch einmal 32 000 Euro pro Person und Jahr wert. Das ergibt nach zehn Jahren Studium satte 640 000 Euro, die an staatlichen Transferleistungen jenem Arzt-Ehepaar zufließen. Das ist ja jetzt nicht weiter schlimm. Das einzige, was ich von einem Ministranten unseres Gemeinwesens erwarte, ist etwas mehr Demut.

Wie leicht kann es passieren, dass aus Worten Taten werden. Taten, die den gesellschaftlich zu kurz Gekommenen das Gefühl vermitteln, sie müssten ihre unantastbare Menschenwürde an der Pforte des Jobcenters in den Papierkorb werfen.