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Missbrauchs-Skandal
Erzbischof distanziert sich von Kirchensteuer-Vorschlag

 Der Trierer Bischof Ackermann hatte zuletzt mit seiner Äußerung für Kritik gesorgt, er sehe keine Alternative dazu, zumindest einen Teil der Opferentschädigung aus der Kirchensteuer zu zahlen.
Der Trierer Bischof Ackermann hatte zuletzt mit seiner Äußerung für Kritik gesorgt, er sehe keine Alternative dazu, zumindest einen Teil der Opferentschädigung aus der Kirchensteuer zu zahlen. FOTO: dpa / Marius Becker
Würzburg/Trier. Weiter Uneinigkeit in Sachen Missbrauchsopfer-Entschädigung.

 Die deutschen Bischöfe haben sich noch nicht auf ein Verfahren für Entschädigungszahlungen an Betroffene von sexuellem Missbrauch durch Geistliche verständigt. Weitere Schritte sollen Ende Januar vorgelegt werden, wie die Deutsche Bischofskonferenz am Dienstag mitteilte. Der Missbrauchsbeauftragte der Bischofskonferenz, der Trierer Bischof Stephan Ackermann, habe bei der Sitzung des Ständigen Rats in Würzburg über den „Stand der Beratungen in der Frage nach der Überprüfung und Weiterentwicklung des Verfahrens zu Leistungen in Anerkennung zugefügten Leids“ berichtet.

Zuletzt hatte vor allem die Frage für Diskussionen gesorgt, ob Entschädigungen aus Kirchensteuern gezahlt werden sollten. Für die Höhe der Zahlungen schlug im September eine Arbeitsgruppe unter Beteiligung von Opfern zwei Modelle vor: eine Pauschale von rund 300 000 Euro pro Opfer oder ein abgestuftes Verfahren, bei dem je nach Schwere des Falls zwischen 40 000 und 400 000 Euro gezahlt werden.

Schätzungen gehen von einer Gesamtsumme von bis zu einer Milliarde Euro aus – wobei diese Zahl nie offiziell bestätigt wurde. Auch über Details des Anerkennungsverfahrens wurde bislang keine Einigung erzielt.



Der Trierer Bischof Ackermann hatte zuletzt mit seiner Äußerung für Kritik gesorgt, er sehe keine Alternative dazu, zumindest einen Teil der Opferentschädigung aus der Kirchensteuer zu zahlen. Auch wenn es vielen verständlicherweise widerstrebe, für Verfehlungen einzelner Geistlicher einzustehen, seien die Kirchenmitglieder als Solidargemeinschaft in der Pflicht.

Damit stand der 56-jährige Ackermann ziemlich allein auf weiter Flur. Am vergangenen Wochenende distanzierte sich nun auch der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick von dem Kirchensteuer-Vorschlag. Der Präsident des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, sagte, es sei „fatal“, in diesem frühen Stadium der Beratung davon auszugehen, dass Kirchensteuermittel eingesetzt werden können. Dies könne „zu einer Welle der Empörung führen, deren Ausmaß kaum abgeschätzt werden kann“.

Der Sprecher der Trierer Opfervereinigung Missbit, Thomas Schnitzler, sagte am Dienstag, er glaube nicht, dass es beim Thema Entschädigung zu einer Einigung der Bischöfe komme. Schon jetzt seien einzelne Bischöfe mit eigenen Modellen vorgeprescht. So wolle etwa das Erzbistum Freiburg als drittgrößte deutsche Diözese in Einzelfällen Missbrauchsopfer auch mit monatlichen Zahlungen unterstützen. Sexueller Missbrauch an Minderjährigen habe lebenslange Folgen und könne die Existenz gesundheitlich und beruflich stark beeinträchtigen, begründete Erzbischof Stephan Burger vor einigen Wochen die sogenannte Missbrauchsrente.

Unterdessen haben die Bischöfe ihre Leitlinien für den Umgang mit sexuellem Missbrauch abermals umfassend überarbeitet und verabschiedet. Die überarbeitete Fassung der Leitlinien von 2013 sei künftig eine „Ordnung“, wie die Bischofskonferenz mitteilte. Mit der geplanten Veröffentlichung in den jeweiligen Amtsblättern der Bistümer erlange sie Rechtskraft, hieß es auf Nachfrage. Eine erste Fassung der Leitlinien hatte es 2002 gegeben. Eine grundlegende Neufassung erfolgte 2010, danach folgten weitere Bearbeitungen.

Auch die Rahmenordnung zur Prävention gegen Missbrauch ist nun erneut überarbeitet worden. Beide Dokumente, die der Ständige Rat zuvor in Würzburg verabschiedet hatte, sollen in der kommenden Woche veröffentlicht werden. Ziele der neuen Leitlinien sind eine größere Einheitlichkeit des Verfahrens, Transparenz, Unabhängigkeit und Betroffenenorientierung.