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Ernüchterung vor Weltklimagipfel

 Die Staaten wollen sich beim Weltklimagipfel nicht auf verbindliche Ziele zur CO2-Reduzierung einigen. Foto: dpa
Die Staaten wollen sich beim Weltklimagipfel nicht auf verbindliche Ziele zur CO2-Reduzierung einigen. Foto: dpa
Kopenhagen/Singapur Von dpa-Mitarbeiter Thomas Borchert

Kopenhagen/Singapur. Aus epochalen Erwartungen und Hoffnungen im Kampf gegen die Klimakatastrophe wird "pragmatischer Realismus": Drei Wochen vor dem Klimagipfel in Kopenhagen hat sich der dänische Gastgeber Lars Løkke Rasmussen beim Apec-Gipfel in Singapur grünes Licht von US-Präsident Barack Obama und dem chinesischen Präsidenten Hu Jintao für das Streben nach einem "Minimalkonsens" abgeholt. Statt der seit Jahren von Forschern, Politikern und Umweltschützern immer eindringlicher verlangten bindenden Einigung auf drastische Reduzierungen bei den Treibhausgasen soll es im Dezember in Kopenhagen nur noch eine "politische Einigung" als Startschuss für weitere Verhandlungen geben. Der eigens für ein "Arbeitsfrühstück" aus Skandinavien ins ferne Singapur gereiste Rasmussen ließ das in den heimischen Medien als "Durchbruch" für seine Bemühungen um einen erfolgreichen Abschluss des Kopenhagener Treffens feiern. Kritisch bis entsetzt reagierten dagegen Umweltschützer, die die neue Kopenhagen-Linie einer juristisch unverbindlichen Willenserklärung für Flucht aus der Verantwortung halten. "Die Konsequenzen für das Klima werden sehr ernst sein. Wir wissen, dass wir nur noch wenige Jahre haben, um die Folgen der CO2-Emissionen für das Klima zu kippen und den Anstieg der globalen Erwärmung auf zwei Grad zu begrenzen. Mit einer schwachen politischen Vereinbarung ist das nicht mehr zu schaffen", so John Nordbo, Chef des Klimaprogramms bei der Umweltorganisation World Wildlife Fund. So ähnlich hatten das Politiker aller Couleur einschließlich Rasmussen bis zum Ausbruch der Finanzkrise vor gut einem Jahr auch noch formuliert. Nun aber, mit massiv geleerten Staatskassen, wird der Begriff "Erfolg" für die Kopenhagener Klimakonferenz anders formuliert. Nordbo ärgert, dass alle Versuche, zu einer schnellen, bindenden Vereinbarung zu kommen, endgültig eingestellt zu sein scheinen: "Was da für uns skizziert worden ist, ist doch nur warme Luft und eigentlich noch schlimmer. Es geht nicht mehr um sofortige Verpflichtungen, sondern um irgendwas ab 2020." Dabei gebe es noch zahlreiche Staaten, die weiter ehrgeizigere Ziele bei der schnellen Reduzierung der CO2-Emissionen und Hilfen dafür an arme Länder verfolgen. Der dänische Gastgeber indes warb dafür, dass trotz der Aussicht auf ein unverbindliches Abkommen mit dem Aufschub der entscheidenden Streitpunkte "niemand aus seiner Verantwortung entlassen werden darf". Dafür sollen sich Staats- und Regierungschefs auch durch ihr Erscheinen bei dem Gipfel noch einmal ins Zeug legen. "Das ist doch nur warme Luft."John Nordbo von der Umweltorganisation World Wildlife Fund