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Sicherheit im Straßenverkehr
Droht Radlern ein Kopfhörerverbot?

Immer mehr Radfahrer sind im Straßenverkehr mit Kopfhörern unterwegs, was nicht grundsätzlich verboten ist. Weil das Unfallrisiko auf dem Rad aber hoch ist, fordert die FDP höhere Strafen, wie etwa in Frankreich.
Immer mehr Radfahrer sind im Straßenverkehr mit Kopfhörern unterwegs, was nicht grundsätzlich verboten ist. Weil das Unfallrisiko auf dem Rad aber hoch ist, fordert die FDP höhere Strafen, wie etwa in Frankreich. FOTO: dpa / Emily Wabitsch
Berlin. Immer mehr Radfahrer sind abgelenkt, weil sie zum Beispiel laut Musik hören. Weil das gefährlich ist, spricht die Politik jetzt über strengere Regeln. Von Hagen Strauss

Kaum ein Radfahrer scheint noch ohne Kopfhörer unterwegs zu sein. Doch wer wegen lauter Musik im Ohr nicht mehr mitbekommt, was um ihn herum im Straßenverkehr geschieht, gefährdet sich und andere. Deswegen bringt die Politik jetzt ein Kopfhörerverbot auf dem Rad ins Spiel – nach dem Motto „Ohren frei“. Hintergrund sind die konstant hohen Zahlen der Fahrradunfälle in Deutschland.

Unlängst veröffentlichte der ADAC eine Studie, wonach allein jeder zehnte Jugendliche mit Kopfhörern und Handy durch die Straßen radelt. Tendenz steigend. Im vergangenen Jahr wurden laut Statistischem Bundesamt in Wiesbaden rund 80 000 Radfahrer bei Unfällen verletzt, 382 kamen ums Leben. Während die Zahl der Verkehrstoten insgesamt zwischen den Jahren 2010 und 2017 um 13 Prozent gesunken ist, blieb die Zahl der tödlich verunglückten Radfahrer nahezu konstant. Sind die Kopfhörer in beziehungsweise über den Ohren mit Schuld daran? Darüber ist im politischen Berlin nun eine Debatte entbrannt.

„Lautes Musikhören mit Kopfhörern auf dem Fahrrad führt zu verminderter Wahrnehmungsfähigkeit des Straßenverkehrs“, glaubt der FDP-Verkehrsexperte Oliver Luksic. Die aktuelle Bußgeldregelung in Höhe von zehn Euro für das Nichthören von Martinshörnern „dient wohl kaum als Abschreckung“, sagt der Saarländer. So gehe man etwa in Frankreich viel strenger vor. Wer dort mit Kopfhörern im Straßenverkehr erwischt werde, müsse mit einer Strafe zwischen 135 und 375 Euro rechnen. „Eine explizite Regulierung in der Straßenverkehrsordnung sollte auch hierzulande kein Tabu mehr sein. Das Problem ist allgegenwärtig und wird sich sonst eher weiter verstärken“, sagt Luksic.



Hierzulande ist das Tragen von Kopfhörern auf dem Fahrrad oder im Auto bisher nicht grundsätzlich verboten. Sondern erst dann, wenn der Fahrer dadurch die Umgebungsgeräusche nicht mehr hören kann. Die Union steht einer gesetzlichen Neuregelung skeptisch gegenüber. Die Einführung eines pauschalen Kopfhörerverbotes sei nicht notwendig, sagt CDU-Experte Gero Storjohann. Stattdessen müsse weiter durch gezielte Aufklärungskampagnen die Regelakzeptanz verbessert werden. Der radpolitische Sprecher der Grünen, Stefan Gelbhaar, verweist noch auf etwas anderes: „Ich möchte anmerken, dass die über 300 000 Gehörlosen in Deutschland Fahrradfahren dürfen, und das auch richtig so ist.“ Außerdem gebe es eine niederländische Studie, wonach das Musikhören im normalen Maß nicht oder kaum zu einer Beeinträchtigung führe.

Nichtsdestotrotz ist die Debatte über ein Kopfhörer-Verbot nun entbrannt. Der Automobilclub ADAC warnt schon seit längerem davor, Kopfhörer auf dem Fahrrad oder im Auto zu tragen. Eine angemessene Reaktion im Verkehr werde verhindert, so erklärt es der Club. Gerade weil Radfahrer im Gegensatz zu Autofahrern relativ ungeschützt sind, seien vorausschauendes Fahren und volle Konzentration besonders wichtig. Und das möglichst ohne laute Musik im Ohr.