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Dörr muss in der AfD Saar niemanden fürchten

Josef Dörr.
Josef Dörr. FOTO: Becker&Bredel
Völklingen. Einen solchen Parteitag hat das Saarland seit Ewigkeiten nicht erlebt. Delegierte brüllen sich gegenseitig an, ein Bundesvorstandsmitglied muss seine Rede abbrechen. Am Ende gibt es einen Sieger: AfD-Chef Josef Dörr. Daniel Kirch

Der Vertreter des Bundesvorstandes, Dirk Driesang, kam gleich zur Sache. Ein Grußwort beim Parteitag der AfD Saar zu halten, sei "unter den gegebenen Umständen keine einfache Angelegenheit", sagte er in der Wehrdener Kulturhalle. Driesang hatte die Untersuchungen geleitet, die am 24. März in der Auflösung des Landesverbandes durch den Bundesvorstand gipfelten. Ein Schritt, der vor dem Parteigericht scheitern könnte, weil die Richter den Kontakt desaarländischen AfD-Landeschefs Josef Dörr und seines Stellvertreters Lutz Hecker zu Angehörigen der rechten Szene bislang lediglich als "Blauäugigkeit" und "Naivität" einstufen.

Driesang erinnerte an den AfD-Wahlslogan "Mut zur Wahrheit", der nur glaubwürdig sei, wenn er auch für die eigene Partei gelte. Es stünden "erhebliche Vorwürfe" im Raum. Als er ansetzte, um Hecker mit Blick auf die Teilnahme von Rechtsradikalen an einer AfD-Demo am 4. November in Saarbrücken der Lüge zu bezichtigen, gab es lautstarke Zwischenrufe und Tumulte. "Das ist eine Wahrheit, die schmerzt", rief Driesang noch - bevor der Parteitag mit deutlicher Mehrheit beschloss, dass der Münchner zu dem Thema in seinem Grußwort nichts mehr sagen darf und erst bei einem späteren Tagesordnungspunkt wieder dran ist. "Glauben Sie mir, mir macht das hier keine Sekunde Spaß", sagte Driesang, es gehe nicht um eine persönliche Fehde. Als er die Delegierten aufrief, ihre Entscheidungen am Parteiwohl auszurichten und nicht an einer "freundschaftlichen oder verwandtschaftlichen Verbundenheit" (zu Dörr), schlug ihm Häme entgegen. "Dämliche, dumme Ausführungen" hielt ihm der Blieskasteler Delegierte Rüdiger Schaly vor. Die große Mehrheit der Delegierten sah das ähnlich. Im Saal herrschte zeitweise eine hitzige, beinahe aggressive Atmosphäre. "Es ist zum Kotzen", meinte ein älterer Delegierter am Mikrofon: "Unfassbar, wie erwachsene Menschen, denen ich unterstelle, dass sie gebildet sind, sich so aufführen können." Nachdem Driesang gegangen war, forderte der Parteitag per Resolution dessen Rücktritt aus dem AfD-Bundesvorstand. .

Dörr, der die AfD-Delegierten als "die wirklich Mutigen und Tapferen" und "die Elite des guten Willens" begrüßte, sagte später, Driesangs Rede sei "kein Grußwort", sondern ein "Gruselwort" gewesen. "Mit all den Leuten, die den ganzen Tag von der Wahrheit reden, da habe ich unheimliche Bauchschmerzen." Auf die einzelnen Vorwürfe ging Dörr nicht ein, er verwies stattdessen auf das Urteil des Parteigerichts. Dieses hatte beschlossen, dass die Auflösung des Landesverbandes Saar bis zur Entscheidung in der Hauptsache aufschiebende Wirkung hat. Es hatte auch angedeutet, dass die Auflösung wahrscheinlich keinen Bestand haben wird. Der Bundesvorstand will dem Gericht nun aber eidesstattliche Versicherungen seiner Zeugen vorlegen, Driesang rechnet sich dabei durchaus noch Chancen aus. Ansonsten ging es in Dörrs Rede viel um die AfD als "Volkspartei", die für die Saarländer "die letzte Hoffnung" sei.

Bei der anschließenden Vertrauensfrage, deren Ergebnis mit "Josef, Josef"-Sprechchören gefeiert wurde, bewahrheitete sich, dass Dörrs Kritiker nur eine kleine Minderheit im Landesverband sind. "Die Kritiker haben heute Glück gehabt, dass sie nicht zur Wahl gestanden haben", so Dörr. Gemeint war damit auch der neben Hecker zweite Landesvorsitzende Michael Schettle, dem die Delegierten in der Wehrdener Kulturhalle mit großer Mehrheit ihr Misstrauen aussprachen.