| 22:16 Uhr

20 Jahre Rechtschreibreform
„Die Reform hat weitgehend ihr Ziel verfehlt“

Marcus Hahn, Vorsitzender des Saarländischen Philologenverbands
Marcus Hahn, Vorsitzender des Saarländischen Philologenverbands FOTO: Marc Prams
Herr Hahn, was sagen Sie als Philologe: Hat sich die Reform gelohnt? Von Iris Neu-Michalik

HAHN Es war der Versuch, die Rechtschreibung zum einen für die Gesellschaft zu vereinfachen, zum anderen für Schulkinder leichter erlernbar zu machen. In manchen Bereichen wie etwa der Kommasetzung ist das gelungen, in weiten Teilen aber nicht. Unterm Strich muss man sagen, dass die Reform nicht den gewünschten Effekt hat.

Liegt das nicht daran, dass mehrfach nachgebessert wurde, sodass es teilweise an klaren Regeln fehlt?

HAHN Unbedingt. Man hat damit sowohl gesellschaftspolitischen als auch unterrichtsbezogenen Überlegungen Rechnung tragen wollen. Das hat sich in der Praxis als unvorteilhaft erwiesen.



Trägt das Fehlen eindeutiger Regeln nicht dazu bei, dass sich viele Kinder schwer tun mit dem Schreiben?

HAHN Ich denke nicht. Eher sind die Nutzung neuer Medien und der hohe Anteil von gesprochener Sprache dafür verantwortlich, dass die herkömmliche Schriftsprache in den Hintergrund gerät. Damit bekommt auch die Orthografie eine andere Bedeutung.

Sie ist also nicht mehr so wichtig?

HAHN Doch, denn sie ist entscheidend dafür, wie ein Mensch sozial wahrgenommen wird. Will man also Chancengleichheit im Bereich von Bildung und Beruf schaffen, spielt die Schriftsprache dabei eine enorm wichtige Rolle. Deshalb ist auch die Verantwortung der Schulen bei der Vermittlung heute höher denn je.

dAs GEspräch führte Iris Neu-Michalik