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13 Jahre nach dem Abschied
Die Politik-Veteranin bleibt sich treu

Die einstige schleswig-holsteinische Regierungschefin Heide Simonis wird 75. In ihrer Wohnung zeigt sie die von ihr gefertigten Quilts.
Die einstige schleswig-holsteinische Regierungschefin Heide Simonis wird 75. In ihrer Wohnung zeigt sie die von ihr gefertigten Quilts. FOTO: dpa / Carsten Rehder
Kiel. Heide Simonis war Deutschlands erste und lange Zeit einzige Ministerpräsidentin. Heute wird sie 75. Von Wolfgang Schmidt

„Das ist für viele Frauen ein eher gruseliges Datum.“ Das sagt Heide Simonis zu ihrem 75. Geburtstag, den sie heute begeht. „Aber es zeigt immerhin: Es gibt einen noch.“ Sarkasmus hat die Frau oft gepflegt, die 1993 in Schleswig-Holstein erste deutsche Ministerpräsidentin wurde und zwölf Jahre später auf beispiellose Weise („Heide-Mord“) ihr Amt verlor. Dass am 17. März 2005 ein Unbekannter aus den eigenen Reihen das zu ihrer Wiederwahl nötige Ja bei der Abstimmung verweigerte, hat die Sozialdemokratin nie verwunden. Das schimmert auch jetzt im Gespräch in ihrer Kieler Altbauwohnung durch. Ehemann Udo (80), ein emeritierter Umweltprofessor, hat sich nebenan in eine Studie vertieft. Simonis sitzt im Rollstuhl. Sie hat seit Jahren Parkinson. Seit einiger Zeit kommt eine Pflegerin ins Haus. Einen Empfang zum 75. gibt es nicht, nur eine kleine Runde mit Weggefährten.

Manchmal blitzt im Gespräch ihre Ironie durch, die ihr öfter Ärger eingebrachte. So beschrieb sie 1995 mit den Worten „Wie kleine Jungs, die im Sandkasten mit ihren Förmchen spielen“ den Führungsstreit ihrer Amtskollegen Gerhard Schröder (Niedersachsen) und Oskar Lafontaine (Saarland) mit Parteichef Rudolf Scharping. Den damaligen Kanzler Helmut Kohl nannte sie in Österreich einmal den „Dicken“. Die Sozialdemokratin machte Frauen Mut, sich in der Männerwelt der Politik zu behaupten. Nachdem die gebürtige Bonnerin ihren als Berater tätigen Mann nach Sambia und Japan begleitet hatte, zog sie 1976 als jüngste Abgeordnete in den Bundestag ein. Dort behauptete sich die Volkswirtin im männerdominierten Finanzausschuss. 1988 holte Björn Engholm sie als Finanzministerin nach Kiel in die Landesregierung. Nach Engholms Sturz über Spätfolgen der Barschel/Pfeiffer-Affäre von 1987 übernahm sie 1993 das Regierungsruder.

Sie brachte das Land auf Modernisierungskurs – aber eine dramatisch wachsende Verschuldung konnte die einst als „Sparkommissarin“ titulierte Politikerin in der damals schlechten Haushaltslage nicht verhindern. Den Sprung ins Bundeskabinett als Finanzministerin versagten ihr Schröder und Lafontaine. Dafür war die Liebhaberin auffälliger Hüte mit ihrer unkonventionellen Art gern gesehener Gast in TV-Talkshows.



Zwölf Jahre nach ihrer Wahl zur Ministerpräsidentin kam das Ende. Simonis wollte eine rot-grüne Minderheitsregierung führen – mit dem dänisch orientierten SSW (Südschleswigscher Wählerverband) als Tolerierungspartner. Vier quälende Abstimmungen mit einer fehlenden Stimme ließ sie über sich ergehen – dann war Schluss. Peter Harry Carstensen, ihr Duz-Bekannter aus dem Bundestag, trat an die Spitze einer CDU/SPD-Koalition.