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Kommentar
Deutsche Politik hat Mitverantwortung

FOTO: Robby Lorenz / SZ
Eigentlich kann man es nur falsch machen. Liefert Deutschland Carles Puigdemont nicht an Spanien, einen wichtigen EU-Partner, aus, dürften die Beziehungen zwischen Berlin und Madrid nachhaltig vergiftet sein. Tut Deutschland es doch, dann könnte das die katalanische Unabhängigkeitsbewegung erst richtig in Fahrt bringen.

Noch ist darüber nicht entschieden. Aber der jetzt von der zuständigen Generalstaatsanwaltschaft Schleswig-Holstein beantragte Auslieferungshaftbefehl folgt einem Drehbuch, das die Überstellung des derzeit international wohl bekanntesten Separatistenführers an Spanien immer wahrscheinlicher macht.

 Einerseits ist die deutsche Justiz natürlich unabhängig, handelt es sich um ein rechtsstaatliches Verfahren. Schon weil die Festsetzung Puigdemonts auf deutschem Boden erfolgte, trägt die Bundesregierung aber trotzdem eine Mitverantwortung. Und die besteht darin, eine mögliche Auslieferung des von der spanischen Zentralregierung in Madrid im Herbst abgesetzten katalanischen Regionalpräsidenten politisch zu begleiten.

Deutschland hat schon bei zahlreichen Konflikten die Rolle des Vermittlers gespielt. Warum nicht auch im Konflikt zwischen der spanischen Regierung und den katalanischen Unabhängigkeitsbefürwortern? Das wäre ganz im Sinne einer europäischen Einigung, die immer so vehement beschworen wird.