| 00:34 Uhr

Söder kann mit Freien Wählern weiterregiern
Desaster für CSU und SPD bei der Wahl in Bayern

Berlin. Trotz der historischen Einbußen seiner Partei bei der Landtagswahl kann CSU-Ministerpräsident Markus Söder in Bayern weiterregieren — mit den Freien Wählern. Die Grünen erzielten ein Rekordergebnis.

Schallende Ohrfeige in Bayern für die alten Volksparteien: Bei der Landtagswahl am gestrigen Sonntag haben die jahrzehntelang erfolgsverwöhnte CSU und die SPD dramatische Verluste eingefahren. Die CSU von Ministerpräsident Markus Söder und des Vorsitzenden Horst Seehofer büßt zweistellig ein, verliert ihre absolute Mehrheit, muss sich auf einen Koalitionspartner zum Regieren einlassen. Die SPD verzeichnet ihr bundesweit schlechtestes Ergebnis und wird nur noch fünftstärkste Kraft. Damit sind beide Partner der großen Koalition von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) geschwächt. Die Grünen erzielen ihr bestes Ergebnis im Land und eines ihrer besten bundesweit. Die AfD zieht zweistellig ins Maximilianeum ein und ist jetzt in 15 von 16 Landtagen vertreten. Die FDP erlebte mit rund fünf Prozent eine Zitterpartie. Die Linke verfehlte die Fünf-Prozent-Hürde erneut.

Eine komfortable Mehrheit hätte jetzt eine schwarz-grüne Koalition. Die Grünen-Spitzenkandidatin Katharina Schulze zeigte sich gesprächswillig: Söder war am Abend jedoch skeptisch. Er werde mit allen reden, strebe aber ein bürgerliches Bündnis an. Nach den Hochrechnungen hätte eine Koalition mit den Freien Wählern von Hubert Aiwanger eine solide Mehrheit, eine Tatsache, die bei der CSU für eine gewisse Erleichterung sorgte.

CSU-Chef und Bundesinnenminister Horst Seehofer akzeptierte gestern Abend seinerseits eine „Mitverantwortung für dieses Wahlergebnis.“ Man könne auch über personelle Konsequenzen diskutieren. SPD-Chefin Andrea Nahles machte „die schlechte Performance der großen Koalition hier in Berlin“ mitverantwortlich für den Absturz in Bayern. CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) sagte: „Dass die Streitigkeiten der vergangenen Monate, insbesondere auch der Tonfall und der Stil, kein Rückenwind für die Wahlen in Bayern waren, steht außer Frage.“



Die CDU-Landesvorsitzende in Rheinland-Pfalz, Julia Klöckner, bezeichnete das Wahlergebnis in Bayern als „keinen einfachen Tag für uns in der Union“. „Aber klar ist: Die CSU hat den Auftrag zur Bildung der Regierung erhalten“, teilte Klöckner gestern Abend in Mainz mit. Bayern stehe im Ländervergleich bestens da. „Jetzt geht es um die Bildung einer stabilen Regierung“, betonte die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft.