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Kommentar
Der Zyniker hat Tabus gebrochen

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Satiriker Martin Sonneborn hat ein Experiment gewagt, Politik nicht nur von außen, sondern von innen heraus zu entlarven und dadurch zu verändern. Tatsächlich ist der Ex-Titanic-Chefredakteur ein Sprachrohr für jene Wähler, die – wie der Wahlslogan der „Partei“ lautete – „Ja zu Europa und Nein zu Europa“ sagen wollten.

Sonneborn als Speerspitze all derer, die sagen wollten, was man eigentlich in einem Parlament nicht sagen sollte. Der Mann hat Tabus gebrochen, aber hat er auch etwas bewegt? Da scheiden sich die Geister. Natürlich war nicht zu erwarten, dass der Zyniker plötzlich zum Messias wird, der den europäischen Politikbetrieb auf den Kopf stellt. Für die einen blieb er ein Rätsel, weil sich Satire nicht in 23 Amtssprachen übertragen lässt. Für die anderen war er ein Spinner, der es seinen Gegnern leicht machte, ihn als jemanden zu beschimpfen, der alles nur lächerlich macht.